Alle Artikel mit dem Schlagwort: Leit und Glump

Südtiroler Leit und ihr Glump: Max von Milland

Als ich in Franzensfeste ankomme sind die Aufbauarbeiten für das Südtirol Festival in vollem Gange. Bühne, Lichtanlage, Soundcheck – die alte Festungsanlage bei Brixen wird zur Konzertlocation und sieht vor dem noch hellblauen Himmel malerisch aus. Dass es im Laufe des Abends noch regnen wird, ist noch nicht wirklich abzusehen, die Stimmung ist gut und die Vorfreude groß. Irgendwo zwischen den ersten Besuchern und dem Produktionsbüro entdecke ich Max von Milland geschäftig hin und herlaufen – einen großen dunkelhaarigen Typ mit neugierigem Blick und einem freundlichen Wort für jeden, der ihn anspricht. Max von Milland heißt eigentlich nicht Max von Milland, aber der Stadtteil von Brixen, aus dem er stammt, leiht ihm seinen Namen. Herkunft, Heimat, diese Themen beschäftigen ihn wohl oder übel, freiwillig oder unfreiwillig immer wieder. Seit er mit 20 nach Berlin und nach acht Jahren dort mittlerweile nach München gezogen ist, umso mehr: “Ich mag es in Südtirol”, erzählt er mir ein bisschen später, als wir bei einem Stück Pizza zusammensitzen, “sogar sehr! Aber nach der Matura wusste ich: Ich muss hier …

Südtiroler Leit und ihr Glump: Trachtenschneiderin Elisabeth Mooswalder

Nun ist es ja so: Als Stadtkind aus Mittelhessen hat man mit Trachten ungefähr so viel zu tun wie als Südtiroler mit Sandstränden. Tatsächlich sind Dirndl & Co bei den meisten Deutschen außerhalb von Bayern eher negativ besetzt, weil sie automatisch mit Oktoberfest und damit auch mit übermäßigem Bierkonsum verbunden werden. Dass das ein Trugschluss ist war mir schon klar, als ich das erste Mal in Südtirol war und stilvolle Damen in traditioneller Festtagskleidung sah. Und dass die nur oberflächlich mit dem landläufigen Dirndl zu tun hat – das hat mir jetzt Elisabeth Mooswalder erklärt. Die ist als eines von sechs Kindern in einer Landwirtsfamilie in Gsies aufgewachsen und hat zunächst in der Hotellerie gearbeitet. Bis ihr mit Mitte 20 klar wurde: Das kann es nicht gewesen sein. “Ich wusste – so ist nicht meine Zukunft, da will ich nicht alt werden. Also musste etwas passieren”, erzählt sie mir mit einem sicheren Blick. Als ich sage dass ich es mutig finde, sich mit 25 nach einer Ausbildung und mitten im Beruf noch einmal völlig neu zu …

Südtiroler Leit und ihr Glump: Apfelbauer Hermann Gufler und sein Rezept zum Glück

Schon auf der Fahrt durch die Südtiroler Täler sieht man sie in rauen Mengen. Kurz hinter Brixen geht es los: Apfelwiese reiht sich an Apfelwiese. Grüne, rote, gelbe Äpfel so weit das Auge reicht. 40 Kilometer weiter westlich steht Hermann Gufler im Hang unterhalb des Ansitz Golserhof, dem Elternhaus seiner Frau, und sieht sich einen von Sonnenbrand betroffenen Apfel an. Ich begleite ihn heute auf seinem Weg durch die Apfelplantage und erfahre, was neben Sonne, Hagel und Frost noch gefährlich für seine Äpfel werden kann. Aber auch, wieso dieser Mann so eine unfassbar positive Ausstrahlung hat – und was sein Beruf damit zu tun hat. Den hat er Anfang der 60er auf der Obst- und Weinbauschule erlernt – und übt ihn bis heute mit Freude aus. Geboren auf dem Plantitscherhof bei Meran heiratete der Obst- und Weinbauer 1971 die Tochter vom Golserhof in Dorf Tirol, und ihre Kinder kamen ganz nach der Familie: Die geborenen Gastwirte. Schon in den 50ern hatten die Südtiroler gelernt, dass ein zweites Standbein neben der Landwirtschaft unumgänglich ist – und, dass sich ihre …

Südtiroler Leit und ihr Glump: Knödelkönigin Martha Thaler vom Zmailer Hof, Schenna

Gute zehn Minuten brauche ich, um meinen Wagen den engen, steilen Waldweg zum Zmailer Hof hinauf zu lenken. Das erste Mal seit meiner Ankunft in Südtirol beneide ich nicht die Wanderer, die ihre Wege ganz gemächlich machen und jederzeit stehen bleiben und die Aussicht genießen können; das erste Mal bin ich froh, dass ich nur wenig Zeit und damit ein gutes Argument habe, nicht bis zu Martha Thalers Gastwirtschaft oberhalb von Schenna zu laufen. Oben angekommen widerrufe ich diesen Gedanken sofort: Nach einer anstrengenden Wanderung mit diesem Blick belohnt zu werden, sich an einem der acht Tische auf der Terrasse mit sagenhafter Aussicht übers Meraner Land niederzulassen und sich von Marthas Tochter eine Holunderschorle servieren zu lassen – das hätte schon was. Als ich in die Küche komme gibt Martha gerade die Milch zu den Würfeln aus alten Brötchen, brät kurz darauf Zwiebeln und Speck an und vermengt alles, zusammen mit rohen Eiern und gehacktem Schnittlauch, zu ihrem legendären Knödelteig. Es gibt Speckknödel, der Teig reicht für knapp 30 Stück. Ob davon all die Wanderer satt …

Südtiroler Leit und ihr Glump: Die Huaber Buaben von der Seiser Alm

Frisch angekommen auf der Seiser Alm, direkt am Ortsanfang von Kompatsch, liegt linker Hand die Huber Schwaige. Einer dieser Orte, an dem man nach einem langen Marsch über die Alm einkehren kann und sofort die Zeit vergisst, den Sonnenbrand oder die Blasen an den Füßen. Seit dem vergangenen Winter hat sie abwechselnd für Skifahrer und Wanderer geöffnet und lädt dazu ein, auf der Sonnenterrasse bei einem Traubensaft oder einem gespritzten Holunder die Beine auszuruhen: Die jungen Brüder Benjamin und Michael Gostner haben die Almhütte ihrer Familie zu einer gemütlichen Berghütte gemacht. Einfach so? Ja, tatsächlich einfach so. Schon vor zwei Jahren hatten die beiden – damals gerade mal 23 und 19 Jahre alt – unterm Schlern eine Hütte gepachtet und dort einen kleinen Gastbetrieb eröffnet. Was sich zunächst nach einer Schnapsidee im wahrsten Sinne des Wortes anhört, war durchdacht und funktionierte gut: Michael sorgte als ausgebildeter Koch für Jausenbrettl & Co, Bruder Benjamin war für die Organisation verantwortlich. Und zwei Jahre später dann, schließlich ist er gelernter Zimmermann, für den Ausbau der eigenen Almhütte oben …