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SUNDAY THOUGHTS: Nachtgraue Klumpen versus Sommernachmittagslebensfreude

Es ist dunkel, da. Da wo sich Sprachlosigkeit und Gelähmtheit treffen, wo Fassungslosigkeit mit hässlichen Hashtags benannt wird in einem lächerlichen Versuch sie greifbar zu machen, da wo große dicke Monster verstohlen durch die Gänsehauthaare streifen, da liegt meine Zornesfalte krumm und da kräuseln sich meine Lippen. Da werden hässliche Schlagschatten in meinem Gesicht vom Haltungsfehler zur Essenz des Bildes, machen aus meinem zarten Lächeln eine hässliche Fratze und treffen es damit auf den Punkt.

Eigentlich sollten diese Bilder Sommernachmittagslebensfreude vermitteln, sie waren das spontane Ergebnis eines vollen Tages, einer Salebestellung bei Mango, des 100. Geburtstags von Keds um ehrlich zu sein und einem Bedürfnis nach Sommerblumen – und jetzt fehlt mir jeglicher Antrieb, jegliche Lust euch etwas von Margeriten und Gladiolen zu erzählen, über weiße Sneaker zu schreiben oder meine Lebensfreude in den warmen Monaten.

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Stattdessen will ich meine Wut und meine Machtlosigkeit und mein Unvermögen mich richtig auszudrücken herausschreien, brülle vor Angst und Erschütterung und Verunsicherung ins Kopfkissen und liege stundenlang schlaflos da, mit einem nachtgrauen Gefühl von Endzeitstimmung im Nacken. Es paaren sich die Bilder aus den Nachrichten von heute und gestern und vorigem Monat mit denen in meinem Kopf und meinem Herz und meine Stimme wird zittrig.

Ich kann nicht glauben was passiert in unserer Welt, wieder und wieder nicht, wir lesen, erschrecken, klicken Bilder an und schnell wieder weg, empören uns, posten bescheuerte Profilbilder und vergessen dann ganz schnell wieder, nur um wenige Wochen später von der nächsten Welle Schockschwerenot überrollt zu werden, und so ist es nicht nur mit den Attentaten auf Paris, Beirut, Istanbul, Nizza, so ist es auch mit den Attentaten auf unsere Herzen, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Man könnte von Wachstumsschmerzen sprechen, von Hörner abstoßen und Machtverhandlungen, aber es fühlt sich anders an, und so langsam ist aus so vielen einzelnen blauen Flecken ein so großer Klumpen aus Schwarz und Grau und Blutrot geworden, dass all die Gewissheit und Sicherheit flöten geht. In was für einer Welt leben wir eigentlich? prangte vor unglaublich langer Zeit mal auf dem Titelbild einer Neon die zwischen WG-Küche und Liegewiese hin- und her wanderte und dieser Satz hat sich in meine Netzhaut eingefressen wie nichts Zweites, fasst er doch alles zusammen, inklusive der fehlenden Reaktion (vermutlich aus Unwissenheit, wie).

Bei all dem Seite an Seite mit sowas wie einem Soulmate um Lebensfreude zu kämpfen macht die Sache besser und schlimmer. Siegessicherheit mischt sich mit Verlustangst, Zukunftspflanung mit Fragezeichen. In was für einer Welt leben wir eigentlich? Und wie gehen wir dabei miteinander um? Was will ich an mir ändern, was muss ich vielleicht auch, wie schaffe ich das und wir schaffen wir das (alle) zusammen? Ohneeinander ist nur das unaushaltbare Nachtgrau.

“Soulmates aren’t the ones who make you happiest, no. They’re instead the ones who make you feel the most. Burning edges and scars and stars. Old pangs, captivation and beauty. Strain and shadows and worry and yearning. Sweetness and madness and dreamlike surrender. They hurl you into the abyss. They taste like hope.”

Victoria Erickson

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Weißes Offshoulder-Kleid mit Troddeln von Mango (online ausverkauft aber sicher noch in vielen Filialen erhältlich – im Sale 23 €!)
Weiße Ledersneaker von Keds*.

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