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Südtiroler Leit und ihr Glump: Max von Milland

Franzensfeste

Als ich in Franzensfeste ankomme sind die Aufbauarbeiten für das Südtirol Festival in vollem Gange. Bühne, Lichtanlage, Soundcheck – die alte Festungsanlage bei Brixen wird zur Konzertlocation und sieht vor dem noch hellblauen Himmel malerisch aus. Dass es im Laufe des Abends noch regnen wird, ist noch nicht wirklich abzusehen, die Stimmung ist gut und die Vorfreude groß. Irgendwo zwischen den ersten Besuchern und dem Produktionsbüro entdecke ich Max von Milland geschäftig hin und herlaufen – einen großen dunkelhaarigen Typ mit neugierigem Blick und einem freundlichen Wort für jeden, der ihn anspricht.

Max von Milland heißt eigentlich nicht Max von Milland, aber der Stadtteil von Brixen, aus dem er stammt, leiht ihm seinen Namen. Herkunft, Heimat, diese Themen beschäftigen ihn wohl oder übel, freiwillig oder unfreiwillig immer wieder. Seit er mit 20 nach Berlin und nach acht Jahren dort mittlerweile nach München gezogen ist, umso mehr: „Ich mag es in Südtirol“, erzählt er mir ein bisschen später, als wir bei einem Stück Pizza zusammensitzen, „sogar sehr! Aber nach der Matura wusste ich: Ich muss hier jetzt erstmal weg, was Neues sehen. Das habe ich einfach gespürt.“ In Deutschland angekommen hilft ihm die Musik über den leichten Kulturschock schnell hinweg – und der heimatliche Dialekt, in dem er seine Lieder schreibt.

Singer/Songwriter auf Südtirolerisch: Max von Milland

Schon mit 14 hat er sich selbst das Gitarre spielen beigebracht und bald in ersten eigenen Bands gespielt, heute steht er mit kleiner Besetzung und seinem neuen, zweiten Album auf der Bühne. Das in Südtirol präsentieren zu dürfen, freut ihn extrem – und das obwohl er findet, dass die Südtiroler mit Lob meist nicht gerade um sich werfen. „Die sind schon gerne erstmal skeptisch. Na, was hat denn der Max da jetzt wieder gemacht, das wollen wir ja mal sehen… So ähnlich ist es auch bei den Konzerten! Wenn ich einen Witz in Deutschland mache dann weiß ich, der funktioniert in drei verschiedenen Städten, das ist immer ein Lacher. Und dann mach ich den in Südtirol, und du kannst eine Stecknadel fallen hören. Vielleicht mal ein Schmunzler hier und da, aber alles ist viel verhaltener! Und umso mehr freut es mich dann, wenn ich hier solche Aufmerksamkeit bekomme.“

Verhalten kommen mir die Konzertgäste während seines Auftritts am Abend allerdings nicht unbedingt vor. Ich sehe: Leuchtende Augen, knutschende Pärchen, sich im Takt wiegende und laut mitsingende Fans. Das mit dem Mitsingen, das ist hier natürlich auch ein bisschen einfacher als in Deutschland. Auf Hochdeutsch zu singen stand für ihn trotzdem nie wirklich zur Debatte. Als er auf der Festivalbühne sein neues Lied Nia bin i der anstimmt wird klar, warum: Da wo man versteht, worums mir geht, da gehör ich hin, heißt es da.

Wo er hingehört, das ist ihm trotz seines Umzugs nach Deutschland nach wie vor sehr bewusst. „Während der Zeit in Berlin war ich schon sehr wenig hier, da wuchs dann immer mehr das Gefühl, dass ich meine Heimat vermisse. Brixen, da ist einfach alles was mich erdet, da sind meine Wurzeln.“

Ein Südtiroler auf Abwegen: Max von Milland in Deutschland

Berlin habe ihm zwar wahnsinnig gut getan, um den Horizont zu erweitern. „Aber da hab ich auch gesehen, dass ich da nicht so richtig und auf Dauer hingehöre. Das ist ne andere Taktung einer Stadt, das ist ne andere Geschwindigkeit, das sind einfach verschiedene Welten.“ Den Lebensabschnitt bereut er nicht, aber auch nicht, vor eineinhalb Jahren nach Süddeutschland gezogen zu sein. „In München habe ich mich nach der ersten Woche wohlgefühlt – das ist natürlich auch der perfekte Mix für einen Südtiroler: Du hast die Berge ganz nah, aber du hast auch die Großstadt und das Pulsierende.“

Irgendwann mal wieder zurück nach Südtirol zu ziehen kann er sich durchaus vorstellen. „Momentan genieße ich diese Mischung, jetzt grade ist es perfekt, so wie es ist. Aber irgendwann einmal… sicher.“ Wenn er jetzt für kurze Zeit zurück in der Heimat ist, dann tickt er anders als in München. Nicht nur, dass er wie wohl jeder auf Heimatbesuch in die Verhaltensmuster eines 15-jährigen verfällt – mit der Mama, die sich um alles kümmert, und der Schwester, die mit einem auch so redet als wäre man wieder 15 – sondern auch das eigene Tempo. „In München habe ich ’n anderen Drive drauf, so in der Großstadt, das inspiriert mich total. Wenn ich hier bin, dann bin ich langsamer. Das tut total gut, um zu entschleunigen – aber so nach zwei, drei Wochen ist mir das zu entschleunigt. Dann muss ich wieder Gas geben, und da pusht mich so ne Großstadt wie München oder Berlin schon. Da bin ich viel fokussierter und getakteter. Und wenns mir dann zu viel wird – dann fahr ich eben wieder heim.“

Dass viele Deutsche gar nicht wirklich wissen, wo dieses Daheim denn eigentlich ist, ob Südtirol nun in Österreicht liegt, in Italien oder vielleicht doch in der Schweiz – das stört ihn recht wenig. „In Berlin hatte ich das ganz oft, aber das muss man schon auch verstehen. Jetzt in München kommt das natürlich viel weniger vor – da sind wir Südtiroler auch echt beliebt“, grinst er. Kein Wunder.

Er selbst hält die Südtiroler neben aller Sympathie auch für sehr bodenständig. „Es gibt natürlich immer Ausreißer, aber generell sind wir schon sehr erdig. Und teilweise vielleicht auch ein bisschen…“ Er zögert, schüttelt den Kopf. „Nein, nicht verschlossen – der Südtiroler ist sehr gesellig und offen. Aber manchmal vielleicht ein bisschen verschlossen Neuem gegenüber. Tradition wird hier selten in Frage gestellt. Von ein paar wenigen ja, und das treibt auch ganz Südtirol an. Aber das ist nicht der Großteil, viele verharren gerne mal im Gewohnten.“ Das ändert für ihn aber nichts daran, wie sympathisch und herzlich der Südtiroler ist: „Jedes Mal wenn du Leute herbringst, in irgendein Hotel oder irgendwohin, dann hörst du danach immer wie toll es war. Und wie gastfreundlich alle sind. Das ist glaube ich schon typisch Südtirol: Die Gastfreundschaft.“

Bei sich findet er von alldem besonders die Geselligkeit, die Bodenständigkeit und eine gewisse Ehrlichkeit wieder. Und ich die Herzlichkeit und die Emotionalität, die mich schon die ganze Woche umgeben hat. Spätestens wenn Max anfängt, von Musik zu reden, wird letztere offensichtlich: „Wenn manchmal einfach alles zusammenpasst und du merkst, was Musik ausmacht… Stell dir vor, du bist zu viert in einem Proberaum, jeder hat ein Instrument, und auf einmal ergibt sich so eine Energie die dich mitreißt – das ist mit nichts zu vergleichen.“

Und vielleicht ist es genau so auch mit Südtirol: Da ist diese besondere, diese warme und zufriedene Energie, und die ist mit nichts zu vergleichen. Und während man Südtirol dann über die Brennerautobahn langsam verlässt, läuft im Auto Max‘ Song Bleib für immer und eine leichte Sehnsucht macht sich breit, noch bevor man wirklich weg ist. Man wird immer wiederkommen, so wie Max auch.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=TImtnLFJAJU]

Typisch Südtirol?

Geselligkeit und Emotionalität.

Das perfekte Mitbringsel?

Max neues Album: Bis dir olls wieder gfollt. In Deutschland erscheint es am 18. September!

Max von Milland in einem Bild?

Max von Milland Portrait

Unter dem Titel „Leit und Glump“ bin ich im Juli ein langes Wochenende durch Südtirol gereist und habe unterschiedlichste Südtiroler auf einen Schwank aus ihrem Leben getroffen. Alle Infos zu dem Projekt findet ihr hier, alle Social Media Posts unter dem Hashtag #LeitUndGlump. Vielen Dank für die Einladung an die Südtirol Marketing Gesellschaft – und natürlich an Max von Milland für seine Zeit!


For my beloved English readers:

Franzensfeste

Singer/Songwriter Max von Milland

Typically South Tyrol?

Being fond of company and not afraid of emotions.

The perfect souvenir?

Max‘ new album: Bis dir olls wieder gfollt. Release in Germany is on September 18th!

Max von Milland in one picture?

Max von Milland Portrait

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