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Südtiroler Leit und ihr Glump: Haflingerzüchter und Kastelruther Spatz Norbert Rier

Seiser Alm

„Fahr einfach die erste Seitenstraße hoch und dann immer der Nase nach. Am Ankerlift hältst du dich links, dann siehst du mich schon irgendwo auf dem Traktor!“ klingt Norbert Riers tiefenentspannte Stimme durch die Telefonleitung. Ich bin alles andere als entspannt: Mit ordentlich Verspätung bin ich auf der Seiser Alm angekommen, ans Serpentinen fahren muss ich mich erst wieder gewöhnen und jetzt steht die Sonne tief, unsere Verabredung ist eigentlich schon längst vorbei und ich verfahre mich zweimal auf dem Weg zur Almwiese. Aber dann sehe ich den Traktor. Sehe die Pferde. Und letzten Endes auch wirklich: Norbert Rier.

Norbert Rier Haflinger BW

Haflinger gehören zu Südtirol so wie Norbert Rier zu den Kastelruther Spatzen. Die Gebirgspferde haben ihren Ursprung in der norditalienischen Provinz und passen perfekt ins Bild – entspannte, trittsichere, unkomplizierte Tiere mit einer ordentlichen Portion Charme. Immer für eine Überraschung gut, aber niemals bösartig. Ja, ich rede von den Pferden, aber heute geht es um den Mensch, der dahinter steht.

Kastelruther Spatz und Haflingerzüchter: Norbert Rier

Der ist schon immer und nach wie vor mit ganzer Leidenschaft Landwirt und Bauer. Seit 35 Jahren singt er außerdem inbrünstig bei den Kastelruther Spatzen, den Stars Südtirols, und teilt sich seine Zeit gerne zwischen körperlicher Arbeit und Rampenlicht auf. „Früher hatte man als Landwirt in Südtirol hauptsächlich Kühe, Jungvieh und meist ein Pferd zum Arbeiten“, erzählt er mir. „Dann haben die Maschinen die Pferde verdrängt – aber für mich waren die schon immer das liebste.“ Vor knapp 25 Jahren hat er sich dann recht spontan drei Haflingerfohlen gekauft – und mittlerweile sind daraus knapp 30 Pferde geworden, die auf Norbert Riers 26 Hektar Weideland auf der Seiser Alm stehen und gedeihen.

„Ich mag jede Art von Pferden, aber für mich war schon immer klar: Wenn Pferde, dann Haflinger. Die gehören einfach zu Südtirol, das ist fast schon ein Kulturgut!“ Auch im Reitsport war er mit seinen Pferden schon erfolgreich und konnte mit einer seiner Stuten das Ostermontag-Galopprennen in Meran gewinnen, doch der Fokus liegt seit jeher auf der Zucht. Und das mit Erfolg. „Am Anfang muss man eben schauen dass man richtig investiert, und dann braucht es viel Glück, viel Herz und viel Fleiß!“

Entspannte Menschen haben entspannte Pferde

Seine beste Investition war damals ein Stutfohlen für 6.000 Euro. „Für verrückt haben sie mich erklärt, aber das war der Grundstein für alles, ich wusste: Das ist meine Zukunft.“ Diese Zukunft ist mittlerweile fast 20 Jahre alt und hat Norbert Riers Zucht um einige erfolgreiche Pferde bereichert. In diesem Frühjahr sind ganze 10 Fohlen hinzugekommen, sie tollen neben ihren Müttern in der Abendsonne über die Alm und knabbern mir sanft am Arm. Die Pferde bleiben den gesamten Sommer über auf der Alm, im Freien, und sind dementsprechend abgehärtet – so, wie es sich für Haflinger gehört. „Das hat man auch auf der Weltausstellung gemerkt. Da war ein Gewitter und es hat aufs Zelt gehagelt, und da haben wirklich viele Pferde Panik gekriegt. Alle Haflinger aus Südtirol aber waren total ruhig. Die kennen das halt.“ Ohne Prahlerei erzählt er das, so wie alles eigentlich: Er weiß, dass er gut macht was er macht, aber er sieht keinen Sinn darin, damit anzugeben.

Vielleicht, weil er weiß wie viel Glück dabei ist. Ob ein Fohlen vielversprechend ist, liegt zwar größtenteils an der von ihm gewählten Abstammung – aber wie es sich entwickelt, das liegt nicht immer in seiner Hand. „Am wichtigsten ist für mich dabei aber eigentlich der Charakter, dass die im Kopf klar sind, dass man sie beruhigt weitergeben kann“, erzählt er und krault dabei versonnen einer der Mutterstuten in der Mähne.

Was in seiner Hand liegt ist, wohin die Fohlen im Oktober nach der Almzeit verkauft werden. Natürlich hat er schon viele Pferde an Spatzen-Fans verkauft. „Die Leute kennen mich halt und auch die Verbindung, da heißt es schon manchmal Wenn ein Haflinger, dann vom Norbert.“ Aber das findet er nicht schlimm: „Wichtig ist mir nur, dass sie in gute Hände kommen. Wenn wir unterwegs sind mache ich auch immer gerne Besuche und schaue, wie es denen geht. Da sind schon richtige Freundschaften entstanden.“

Mit den Touren der Kastelruther Spatzen, seinem Einsatz als Vize-Obmann des Zuchtverbandes und seinen 30 Pferden hat Norbert Rier eigentlich immer alle Hände voll zu tun. „Aber das ist positiver Stress!“ betont er. „Sicher, das ist mitunter anstrengend, und da muss schon viel Leidenschaft dahinter stecken, dass es funktioniert. Aber wenn man etwas gerne macht, dann findet man eigentlich immer Zeit dafür.“ Und das ist etwas, was die Südtiroler vereint: Sich nicht stressen lassen, schon gar nicht, wenn das Leben doch so schön ist. Anpacken, damit man hinterher genießen kann. Und das tut er er am liebsten auf seiner Schweige unweit von der Almwiese, auf der wir stehen. Das ist sein Heller Fleck in Südtirol, ein Stück reine Natur, die ihn fast sentimental werden lässt. „Da hört und sieht man gar nichts. Nur das Kauen der Pferde, ab und zu ein Murmele“ – und vielleicht mal Norbert Riers Traktor.

Typisch Südtirol?

Norbert Riers Entspanntheit und die Liebe zur Natur.

Das perfekte Mitbringsel?

Ein Ticket fürs nächste Spatzenfest.

Norbert Rier in einem Bild?

Norbert Rier Haflingerzucht

Unter dem Titel „Leit und Glump“ bin ich im Juli ein langes Wochenende durch Südtirol gereist und habe unterschiedlichste Südtiroler auf einen Schwank aus ihrem Leben getroffen. Alle Infos zu dem Projekt findet ihr hier, alle Social Media Posts unter dem Hashtag #LeitUndGlump. Vielen Dank für die Einladung an die Südtirol Marketing Gesellschaft – und natürlich an Norbert Rier für seine Zeit!


English version:

Seiser Alm

„Just turn into the first side road and then carry right on up the hill. Turn left at the ski-lift, and you will eventually spot me on a tractor somewhere up that lawn!“, Norbert Rier tells me on the phone, his voice relaxed and calm. Me? Nowhere near relaxed and calm: I am almost one hour late – and not yet in the typical South Tyrol mood that tells you this is not a huge thing. I am not yet used to driving serpentines again, and the sun is low in the sky. I miss Norbert Riers meadow two times before I finally see the tractor, the horses, and then the horse breeder and singer in person.

Norbert Rier Haflinger BW

Haflinger horses belong to South Tyrol just as Norbert Rier belongs to the Kastelruther Spatzen. The mountain horses origin in the North Italian region and perfectly blend into the scenery – relaxed, surefooted animals with a big dose of charm. Always good for a surprise, but never vicious. Am I really just talking about those horses? Well, let’s talk about the human behind them for a bit.

Kastelruther Spatzen singer and horse breeder: Norbert Rier

He has always been and still is a passionate farmer. Since 35 years, he puts just as much passion into his words in South Tyrolean music stars Kastelruther Spatzen – and now splits his time between physical labor and the spotlight. „Back in the past, as a farmer in South Tyrol you had mostly cows, cattle and one working horse“, he remembers. „Then, tools and machinery replaced the horses. But for me, they have always been the dearest.“ About 25 years ago, he spontaneously bought three Haflinger foals – and now there are 30 of them grazing his 26 hectares of meadows at the Alpe di Siusi.

„I like every kind of horses, but I always knew: If I’ll buy a horse, it’s gonna be a Haflinger. They are a part of South Tyrol and almost a national treasure!“ He has been pretty successful in equitation and was able to place one of his mares first in the famous horse races down in Merano quite a while ago – but his main passion is the breeding. And he’s doing well. „When you start, you need to make the right investments. But then it’s all about luck, love and hard work!“

Relaxed people have relaxed horses

His best investment back in the days was a mare foal for 6.000 Euros. „People told me I was crazy – but that foal was the foundation of everything and I knew: This is my future.“ This future is now 20 years old and gave Norbert Riers breeding a lot of valuable horses. This spring, 10 foals added to his flock. They frolic next to their mothers in the evening sun and nibble on my arm more or less carefully. The horses stay out on the alp all summer without any shelter and are accordingly hardened – just as a Haflinger horse should be. „We especially noticed this at the world exhibition: There was a huge thunderstorm and hail was going down on the exhibition tent, and a lot of the other horses panicked. But every Haflinger from South Tyrol was completely calm. They are just used to it.“ He recounts this without any bragging, just like everything he tells me. He knows that he’s good at what he’s doing, but doesn’t need to show off.

Maybe because he knows how lucky he was: Whether a foal turns out promising of course depends on the descent its breeder has chosen – but the way it develops is not in his hands. „The most important thing for me is the character. I always hope for clear-minded horses that I can pass on without any worries“, he explains and almost meditatively crawls one of his mare’s mane.

What is in his hands is whereto a foal is sold after coming down from the alp in October. Of course, a lot of his clients are fans of his band. „Well, people know me and the connection to the Kastelruther Spatzen, so of course some of them will go If I buy a Haflinger horse, it’s gonna be one from Norbert.“ He doesn’t see anything bad in that though: „The only thing that matters to me is that they’re gonna be loved. When on tour, I often come by and visit to see how they are. I have had real friendships developing from that!“

With the tours of the Kastelruther Spatzen, his commitment for the breeding association and his own horses, Norbert Rier is always busy. „But this is only the most positive stress!“ he points out. „Sure, sometimes it’s hard and exhausting, and you need a lot of passion to make it work. But if you love something, if you want something, you will always find the time.“ And this is what unites all South Tyroleans, I guess: Don’t stress, especially not if life is so good to you. Tackle problems so you can enjoy the outcome afterwards. Doing so on one of his alp meadows, this is Norbert Riers favorite thing to do. This is his light spot of South Tyrol, a piece of pure nature that almost makes him sentimental. „You don’t see or hear anything here. Nothing but the munching of the horses or a groundhog now and then“ – and maybe, sometimes, Norbert Riers tractor.

Typically South Tyrol?

Norbert Riers relaxed manner and his love for nature.

The perfect souvenir?

A ticket for the next Spatzenfest.

Norbert Rier in one picture?

Norbert Rier Haflingerzucht

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