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Südtiroler Leit und ihr Glump: Die Huaber Buaben von der Seiser Alm

Seiser Alm

Frisch angekommen auf der Seiser Alm, direkt am Ortsanfang von Kompatsch, liegt linker Hand die Huber Schwaige. Einer dieser Orte, an dem man nach einem langen Marsch über die Alm einkehren kann und sofort die Zeit vergisst, den Sonnenbrand oder die Blasen an den Füßen. Seit dem vergangenen Winter hat sie abwechselnd für Skifahrer und Wanderer geöffnet und lädt dazu ein, auf der Sonnenterrasse bei einem Traubensaft oder einem gespritzten Holunder die Beine auszuruhen: Die jungen Brüder Benjamin und Michael Gostner haben die Almhütte ihrer Familie zu einer gemütlichen Berghütte gemacht. Einfach so?

Ja, tatsächlich einfach so. Schon vor zwei Jahren hatten die beiden – damals gerade mal 23 und 19 Jahre alt – unterm Schlern eine Hütte gepachtet und dort einen kleinen Gastbetrieb eröffnet. Was sich zunächst nach einer Schnapsidee im wahrsten Sinne des Wortes anhört, war durchdacht und funktionierte gut: Michael sorgte als ausgebildeter Koch für Jausenbrettl & Co, Bruder Benjamin war für die Organisation verantwortlich. Und zwei Jahre später dann, schließlich ist er gelernter Zimmermann, für den Ausbau der eigenen Almhütte oben in Kompatsch.

Dort steht nun Michael in seiner weißen Schürze in der Küche und richtet das legendäre Hubers Hüttenpfandl an, während ich bei einem gespritzten Apfelsaft mit Bruder Benjamin auf der Terrasse sitze. „Der Apfelsaft, genau wie unser Traubensaft oder der Holunder, der kommt von uns. Wenn es sich ausgeht benutzen wir alles aus der eigenen Landwirtschaft“, erzählt er mir stolz. Fleisch, Gemüse, „die eigenen Sachen anbieten, das war uns wichtig.“ Und macht Sinn, schließlich unterstützen sie damit die eigene Familie. Auf den selbst gemachten Graukäse aus der Milch der eigenen Kühe sind die beiden besonders stolz. „Das macht aber alles der Michi, ich bin eher so für die Gäste zuständig“, grinst er.

Und das wundert gar nicht. Freundlich begrüßt er jeden Wanderer, der sich zu uns auf die Terrasse gesellt, und klärt gerne über die umliegenden Berge auf. „Das ist ja schon etwas ganz Besonderes hier, und etwas, das einen immer wieder begeistert – die Natur. Jedes Mal wenn du irgendwo hin kommst denkst du ‚Ist das schön!’, ständig wieder“, schwärmt er. Und zuckt mit den Schultern, als ich ihn nach seinem Lieblingsort frage: Hat er nicht. Hauptsache auf dem Berg. „Vom Schlern, vom Flatscher, von weit oben ist alles herrlich!“ Und auch die Aussicht von der Schwaige selbst ist eindrucksvoll genug. Zwar liegt sie direkt an der Almstraße, die durch die gesamte Seiser Alm führt – aber wenn man bei einem kalten Getränk auf der Sonnenterrasse sitzt, vergisst man die sofort. Und die Jungs schätzen diese Lage sehr, nicht nur wegen der Laufkundschaft: „Die erste Hütte drüben war weit ab von jeder Straße, da immer alles hinzuschaffen war schon eine Qual. Aber wenn man etwas will, dann geht auch das“, ist Benjamin überzeugt. „Einfach anpacken und loslegen!“

Sicher ging da auch mal was schief. „Mit ein paar Fehlern muss man rechnen, aber aus denen lernt man halt auch am besten“ grinst er schief, als er sich an die ersten beiden Jahre zurückdenkt. „Jetzt wissen wir vieles schon besser, und es läuft rund.“ Urlaub ist trotzdem erstmal nicht drin: „Natürlich könnte ich zwei Wochen wegfahren, aber dann bleibt die Arbeit halt hinten liegen.“ Stattdessen nutzte er die Pause zwischen Winter- und Sommersaison, um die Terrasse und den Spielplatz vor der Schwaige anzulegen. Wieder wird offensichtlich: Anpacken wird hier groß geschrieben.

Die einzigen jungen Südtiroler, die in der Heimat bleiben und aus dem Bestehenden etwas Neues machen, sind die Huaber Buaben sicher nicht. „Es gibt schon einige junge Leute die sich selbständig machen, aber eben auch viele die zum Studieren in die Stadt gehen. Das liegt ja auch daran, was für ein Menschen man ist oder wie man gesellschaftlich eingebunden ist.“ Benjamin selbst ist im Gemeinderat und in vielen Vereinen engagiert. „Da will man irgendwann gar nicht mehr weg, das ist so eine ganz besondere Zugehörigkeit.“ Und ein besonderer Zusammenhalt. „Ohne den würde das hier auch nicht funktionieren. In jeder Ecke gibt es eine eigene Feuerwehr, allein schon aus Tradition!“

Und dass Traditionen hier noch bewusst gelebt werden, schätzt er besonders an Südtirol. „Hier gibt es immer noch in jedem Ort eine Feuerwehr, Umzüge, Prozessionen, und da macht nach wie vor jeder mit. Aus Zusammenhalt, wegen dem Gemeinschaftsgefühl. Da packt man gerne mit an.“ Sagts und läuft los, um in der Küche nach dem rechten zu sehen. Aber nicht, ohne vorher noch einen selbst angesetzten Himbeerschnaps mit mir zu trinken. Ich verewige mich im Gästebuch aus Holzscheiten, das die Gaststube ziert – und lasse meinen Blick dann seufzend ein letztes Mal über die Seiser Alm schweifen, bevor ich meinen Trip durch Südtirol fortsetze.

Typisch Südtirol?

Furchtlos anpacken.

Das perfekte Mitbringsel?

Der selbst angesetzte Himbeerschnaps.

Die Huber Buben in einem Bild?

Huber Buben Seiser Alm

Unter dem Titel „Leit und Glump“ bin ich im Juli ein langes Wochenende durch Südtirol gereist und habe unterschiedlichste Südtiroler auf einen Schwank aus ihrem Leben getroffen. Alle Infos zu dem Projekt findet ihr hier, alle Social Media Posts unter dem Hashtag #LeitUndGlump. Vielen Dank für die Einladung an die Südtirol Marketing Gesellschaft – und natürlich an die Huber Buben für ihre Zeit!


English version:

Seiser Alm

Just arrived at Alpe di Siusi, right at the beginning of Kompatsch, you can find the Huber Schwaige to your left. It’s one of those places you can stop at for a bite to eat after a long hike and immediately lose track of time, forget about your sunburn or the blisters on your feet. Since this past winter it is open for skiers and hikers in turn, and is ready to woo you with its sun terrace where you can enjoy a homemade grape juice or an Elder Spritz relaxing your exhausted legs: Benjamin and Michael Gostner have turned their family’s alpine cabin into a cozy chalet. Just like that?

Why yes, just like that. Two years ago, the young brothers – back then just about 23 and 19 years old – rented a chalet nearby and opened a small inn. What at first sounds like a schnaps-founded idea in the truest sense of the word was well-planed and worked quite well: Michael, being a professional chef, catered for cold cuts and the like, his brother Benjamin took care of the organization and the guests. And two years later, he used his skills as a carpenter to work up their own chalet up in Kompatsch.

Up here right now, Michael is busy in the kitchen preparing the legendary Hubers Hüttenpfandl while I sit outside in the sun with Benjamin, tasting their apple juice. „This juice, just like our grape or elder juice, is purely homemade. We try to use as much from our own cultivation as possible.“ You can tell that this matters to him – and it totally makes sense, since after all they support their own family through it. They are especially proud of their self-made Tyrolean grey cheese made from the milk of their own cows. „But that’s all Bennis work“, Michael acknowledges.

He himself is more of a people’s person. Charmingly he welcomes every hiker who joins us on the terrace and helps pointing out the surrounding mountains. „This is truly something special here and something that always keeps amazing you – the nature. Every time you go somewhere for the first time in South Tyrol, you think That’s so beautiful!, over and over again“, he gushes. And shrugs as I ask him about his favorite place: Doesn’t exist. As long as there’s mountains, he loves the whole region. And even the view from the chalet itself is more than impressive. Yes, it’s located directly by the road going through the whole Alpe di Siusi – but when you sit out here with a cold drink, you forget about that immediately. And the boys appreciate this road dearly, not only because of the walk-in guests: „The old chalet was far from any roads – bringing all the catering there every day was a real pain. But well, if you want something, you will find a way to make it“, Benjamin believes. „Just go for it and get started!“

Of course, there have been ups and downs. „Sure you make mistakes again and again. But they are what you learn the most from“, he smirks as he remembers their first two years. „Now we know a lot more and things are working out.“ Holidays are nothing to think about yet, though. „Of course I could go away for two weeks, but that would only mean that I have even more work to do when I get back.“ Instead he used the break between winter and summer season to do up the terrace and build a playground in front of the chalet. Again I find: Getting work done is a real thing here.

Michael and his brother are not the only young South Tyroleans who stay near their roots and turn the existing into something new. „There are quite a lot of young people opening their own businesses. But of course the majority is leaving for the cities, if only to go visit the university. I guess that mostly depends on what kind of a person you are and how much you are part of the community here.“ He himself is involved in the local council and is an active member in a lot of clubs. „That doesn’t really make you want to leave, there’s this special social affiliation.“ And a lot of solidarity. „Without this, the whole concept of South Tyrol wouldn’t work. We have fire departments in every tiny valley, if only for the tradition!“

How much traditions matter here is one of the things he likes most about his home. „Everyone gets involved“, he explains, „everyone is a part of the whole thing. You just want to be“, he says and wanders off to check on his brother in the kitchen. Only after having a homemade raspberry schnaps with me, of course. I put my signature on one of the wood logs forming the chalet’s guestbook – and then I let my gaze linger on beautiful Alpe di Siusi one last time before I move on.

Typically South Tyrol?

Going for what you want to do.

The perfect souvenir?

The homemade raspberry schnaps.

The Huber Buben in one picture?

Huber Buben Seiser Alm

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