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Sunday Thoughts aus Miami Beach – früher war alles besser? Ladies first!

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Früher war alles besser. Das ist ein Satz der gerne als Beispiel in Typisch Deutsch-Auflistungen bemüht wird, ein Satz der zu Nörglern und Meckerern passt und zu allen, die unter latenter Unzufrieden leiden oder sich nur zu gerne darin suhlen. Ein Satz der mir nur in den allerschwächsten Momenten über die Lippen geht oder aus allergrößter Ironie, dann vielleicht wenn ich daran denke wie unkompliziert das mit den Freundschaften und dem Sozialleben zu Schulzeiten noch war (ist es nicht herrlich, wie schön man die Dinge in der Retrospektive verklärt? Ich meine natürlich das mit dem Kontakt-halten und Sich-sehen, nicht das mit den Freundschaften an sich) oder dann, wenn ich meiner Philosophie mit Humor nehmen, was ich eh nicht ändern kann Ausdruck verleihen will.

In meinem Kollegenkreis ist diese Philosophie leider nicht besonders weit verbreitet. Viel öfter macht stattdessen der Einleitungssatz die Runde – und viel zu selten mit erwähnter Ironie -, immer wieder wird nach einem langen Flug auf der Fahrt ins neue Crewhotel seufzend ausgestoßen und mit einem wissenden Nicken in Empfang genommen. Weil das Hotel vorher besser gelegen, von höherem Komfort oder schlicht und ergreifend vertraut war. Und ich verstehe das.

Wie in jedem großen Unternehmen hat sich auch bei uns in den vergangenen Jahren viel getan, und davon auf den ersten Blick wenig zur Zufriedenheit der Mitarbeiter. Wir haben gestreikt und verhandelt, wir haben uns widersetzt und erklärt. Wir haben manches erreicht und vieles verloren, das ist absolut richtig. Und ich stimme ja sogar zu: Vieles war früher besser. Früher gab es wochenlange Layover an den exotischsten Destinationen. Früher war man noch wer als Flugbegleiterin, früher wurden nur die erlesensten und stilvollsten Damen und Herren ausgewählt um diesen Beruf auszuüben, früher waren Kollegen noch Familie – kein Wunder, wenn man eine Woche lang gemeinsam auf den Malediven verbrachte. Keine Frage: Da wäre ich gerne dabei gewesen. Gerne hätte ich mir eine Wasservilla mit der netten Kollegin aus der First Class geteilt und abends Erinnerungen an der Pool Bar geschaffen (oder ein paar Gin Tonic später schon wieder verloren.) Ich hätte diese goldenen Zeiten gerne miterlebt, statt wie heutzutage nach knapp 24 Stunden in Miami Beach den noch nassen Bikini in den Koffer zu packen und zurück nach Hause zu fliegen. Aber es ist eben eine Frage der Lebenseinstellung, wie man damit umgehen will. Ob man ihnen hinterher trauern oder im Rahmen der eigenen Möglichkeiten neue goldene Zeiten schaffen will. Ob man den Bikini gar nicht erst einpackt weil die Zeit eh nicht reicht, oder ob man hin und wieder die eigene Müdigkeit überwindet und trotzdem um 6 Uhr morgens Joggen, anschließend frühstücken und dann noch für ein paar Stunden an den Strand geht.

Als mich Keds gemäß dem Slogan Ladies First since 1916 danach fragte, was es 100 Jahre nach Gründung des Lieblingsturnschuhlabels bedeutet eine Lady zu sein, fiel mir genau das ein: Selbstbestimmung. Und damit meine ich nicht nur Selbstbestimmung dem eigenen Lebensweg, den eigenen Verantwortungen und Entscheidungen gegenüber. Sondern auch Selbstbestimmung gegenüber der eigenen Perspektive. Ich bin seit ziemlich genau zehn Jahren Optimistin aus Überzeugung, nicht, weil ich dumm und naiv wäre, sondern weil es sich damit in meinen Augen besser leben lässt als mit einer negativen Grunderwartung. Weil ich eine positive Ausstrahlung schöner finde als eine misstrauisch-mystische, weil ich mir das Leben nicht schwerer machen will als es ist und weil Frust eine Situation auch nicht ändert und im Zweifelsfall definitiv nicht die Welt, das Date oder die berotweinfleckte Bluse retten wird.

Selbstverständlich stampfe auch ich manchmal wie eine enttäuschte Vierjährige mit den Füßen auf und schmiere mir den Eiscremelöffel um die Schnute. Selbstverständlich residiere auch ich lieber im Fünf-Sterne-Business-Hotel als im Urlaubshotel deutscher Pauschaltouristen. Und ich bin die Erste die da steht und ein Schild in der Hand hält, wenn Diskussionen zielführend und sinnbringend sind. Aber ich bin die letzte die sich im Crewbus die Laune selbst verdirbt, in dem sie über in diesem Moment nicht zu ändernde Tatsachen lamentiert während niemand zuhört außer der Kollegin, die im selben Boot sitzt und eigentlich nur ein schönes Layover erleben will.

Versteht mich also nicht falsch: Ich bin fürs Meckern, fürs Sich-Aufregen, fürs Mit-der-Faust-auf-den-Tisch-Schlagen. Aber ich bin vor allem fürs Dinge ändern wollen und entschieden gegen das Lamentieren. Ich bin für Selbstbestimmung – vor allem gegenüber des eigenen Glücks. Ich bin dafür, sich auf die Dinge zu konzentrieren die das Leben schöner machen. Ohne natürlich die Augen davor zu verschließen, was alles nicht läuft. Aber dafür sind Gewerkschaftsversammlungen da und Diskussionen mit den entscheidenden Stellen. Dafür sind schriftliche Rückmeldungen an die Führungsebene da und Urabstimmungen, wie sie aktuell laufen. Und nicht mein Layover.

Im Layover also halte ich die Nase in die Abendsonne und konzentriere mich auf das, was da ist. Und das ist im Fall von Miami der Strand, die Palmen und ein Mango Daiquiri in der Beach Bar.

Zu diesem Post inspiriert hat mich neben der Keds Kampagne #LadiesFirst vor allem meine ursympathische Kollegin kurz vor Renteneintritt, mit der ich nach oben erwähntem Mango Daiquiri die gemeinsame Lebenseinstellung entdeckte. Hab noch ein paar schöne letzte Flüge, meine Liebe, und dann genieße das Dauer-Layover außerhalb von Galleys und Uniformschuhen!

Meine Tipps für eine gute Zeit in Miami Beach habe ich euch übrigens hier aufgeschrieben!

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