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Mein erstes Mal in Hong Kong: Subtropische Metropole auf Kantonesisch

Ich würde mich als sehr aufgeschlossen, vielseitig interessiert und weltoffen beschreiben. Mich erfüllt eine grundsätzliche und nicht zu unterdrückende Neugier, ich bin fast schon besessen davon unbekannte Orte zu entdecken und mich neuen Herausforderungen zu stellen, fremde Kulturen kennenzulernen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu finden.

Aber es gibt eine Ausnahme: China.

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Ich untertreibe nicht, wenn ich hier von einem kategorischen Desinteresse, ja sogar von einer gewissen Abneigung spreche. Ich weiß, dass es absurd klingt – wie kann ich von einer Leidenschaft für fremde Kulturen sprechen, wenn ich eine der uns fremdesten Kulturen so grundsätzlich ablehne? Ich weiß es nicht Freunde, aber mein Interesse an China ist seit ich denken kann dermaßen eingeschränkt und die restliche Welt so groß, dass ich auch keinerlei Notwendigkeit sah, mich näher mit China zu beschäftigen. Im Gegenteil: Länder mit derartig eingeschränkter Meinungsfreiheit, Zensur, Diktaturen im Allgemeinen – das sind nicht gerade die größten Sympathieträger in meiner Heiß-Kalt-Skala. Und dann kam Hong Kong.

Hier ist alles anders: Das erste Mal Hong Kong

Es ist sonnenklar: Hong Kong ist nicht China. Ungefähr so wie New York nicht Amerika ist. Die sogenannte “Sonderverwaltungszone” ist wahnsinnig modern, ziemlich sauber, ziemlich westlich. Zensur und Diktatur entzieht sie sich weitgehend – ist aber natürlich nur auf den ersten Blick wirklich frei. Von einer Unabhängigkeit kann bis heute keine Rede sein, die Proteste für freie Wahlen vor zwei Jahren beispielsweise blieben bis heute politisch erfolglos. Hier leben? Nein danke. Hierher reisen? Sofort und immer wieder!

Als Tourist ist Hongkong nicht nur wahnsinnig beeindruckend, sondern auch sehr angenehm: Die Orientierung funktioniert recht schnell (wenn man nicht, wie ich, den ersten Abend flugmüde nur blind einer Kollegin hinterherläuft und am nächsten Morgen nichts wiederkennt), so gut wie jeder spricht zumindest rudimentäres Englisch und es gibt ein ausgeklügeltes, recht leicht zu durchschauendes Netz öffentlicher Verkehrsmittel. Taxis halten an jeder Ecke auch für Europäer – einer der größten Unterschiede zu China ist aber das verhältnismäßig hohe Preisniveau. Einmal daran gewöhnt lässt es sich hier unbeschwert und sicher von A nach B wandeln, verirren und wieder auf den richtigen Weg finden.

First Time Tourist Highlights in Hong Kong

  • Das erste Must in Hong Kong ist für mich definitiv die Fahrt auf den Victoria Peak! Der Hausberg der Stadt bietet eine unschlagbare Aussicht und ist eine gute Idee für den ersten Tag in der Stadt. Auf den Peak kann man entweder mit der Peak Tram fahren, die für 40 HKD (Return Ticket) auf die Aussichtsplattform am Gipfel fährt – Achtung: Hier steht man häufig mehr als eine Stunde an! Alternativ kann man auch unkompliziert und genauso bequem mit Bus Nummer 15 vom Exchange Square (MTR Central, Exit D) auf den Gipfel fahren – für knapp 10 HKD. Auch die Aussicht vom Midlevel Point auf halber Höhe zum Peak soll, vor allem bei Nacht, ziemlich gut sein.
  • Die Mid-Levels Escalators, die auf der Queens Road beginnen, sind definitiv eines dieser Alltags-Touri-Highlights und absolut sehenswert! Die gefühlt nicht enden wollende Rolltreppe ist überdacht und führt durch ein typisches Wohnviertel, in dem sich mittlerweile Restaurants und Nagelsalons aneinander reihen. Zwischendurch kann man immer wieder aussteigen um die Gegend zu entdecken oder Essen zu gehen (uneingeschränkte Empfehlung für alle, die Thai lieben: KohThai!). Wer bis nach oben durchfährt biegt am besten nach links ab und läuft in Richtung Glenealy, dann weiter Richtung Robinson Road ab und läuft dann links bergab in die Albany Road. Dort erreicht man den kostenlosen Botanischen Garten, der auf einen gemütlichen Spaziergang nach unten einlädt.
  • Der Won Tai Sin ist der größte Tempel Hong Kongs und wird von einem weitläufigen Garten umgeben. Wer Lust hat kann sich hier auch von Wahrsagern und Feng Shui-Meisern analysieren lassen – der Tempel selbst hat bis 17:30 geöffnet und ist easy mit der Metro zu erreichen (MTR Won Tai Sin).
  • Wer Lust auf einen Ausflug hat fährt nach Repulse Bay oder Stanley Beach – wir sind nach Stanley Beach gefahren und haben dort Stanley Market besucht, einen dieser klassischen chinesischen Fake-Markets die ich eigentlich immer zu vermeiden versuche. Für mich kommt der Kauf einer vermeintlich gut gemachten Designertasche absolut nicht infrage und ich finde die Atmosphäre auf diesen Märkten furchtbar, wer sich davon nicht abhalten lassen will ist auf dem Stanley Market an der richtigen Adresse, da die Verkäufer verhältnismäßig entspannt und unaufdringlich sind. Ich bin, während meine Kolleginnen fleißig shoppten, lieber an der Strandpromenade entlang geschlendert – und habe fürs nächste Mal beschlossen, lieber schon in Repulse Bay auszusteigen, da der Strand hier überraschend schön ist. Beides ist unkompliziert zu erreichen mit den Bussen 6, 6X, 6A oder 260 (alle halten zunächst Repulse Bay und fahren dann weiter nach Stanley Beach – ich empfehle Bus 6, der zwar 15 Minuten länger fährt, dafür aber nicht durch den Tunnel sondern über den Berg fährt und schöne Aussichten bietet).
  • In Sachen Museen sind besonders das Museum of History mit großartigen Nachbauten alter Tempel, Teehäuser & Co und das Museum of Art mit klassischer chinesischer Kunst, Kalligrafie und Tuschemalereien zu empfehlen.
  • Geschmacksache, aber irgendwie doch immer wieder sehenswert: Die Sound & Light Show an der Kowloon Promenade. Insidertipp: Vor dem Intercontinental Hotel soll die 15minütige Light Show besonders gut zu betrachten sein.

Ebenso empfehlenswert, für alle die länger in Hong Kong sind, ist sicherlich ein Ausflug zum Ten Thousand Buddha Tempel in ShaTin, die Fahrt nach Shenzhen oder Cheung Chau, eine Wanderung auf den Dragon’s Back und Shek-O Peak oder die Fahrt nach Lantao Island. Viele meiner Kollegen fahren auch regelmäßig rüber zur ehemaligen portugiesischen Kolonie Macau! So many things to do, so many things to come – bis bald, Hong Kong!

 

8 Kommentare

  1. Wenn ich tatsächlich mal die Gelegenheit haben sollte, Hongkong zu besuchen, dann drucke ich mir diesen Artikel aus. Kompakte Informationen über die wichtigsten must dos und wie man sie erreicht klasse kurzweilig verpackt. Besser kann man es kaum machen und die tollen Fotos geben deinen Beiträgen immer den richtigen Pep.

  2. P.S.: Lisa, ich bin ein Exot. Kein Facebook, keine Twitter und erst recht kein Instagram (Wer will mich da schon sehen?). Aber ich bin bei Google+ und da wollte ich deine Artikel über Hongkong und San Francisco gerne teilen. Aber das geht gar nicht. Zumindest habe ich das Symbol dafür nicht gefunden. Schade.

    • Lisa sagt

      Hallo Detlef, lieben Dank für dein Lob! Du kannst die Artikel trotzdem bei Google+ teilen, indem du dort einfach die URLs der Artikel in den Beitrag kopierst – ich freue mich darüber! Alles Liebe, Lisa

  3. Pingback: Here’s to 2017 – and to the learnings of 2016: Be your own damn lighthouse! – Helle Flecken

  4. Pingback: Schlaflos in China: Two Days of Failing to Explore Shanghai – Helle Flecken

  5. Mittlerweile hast Du bestimmt herausgefunden, dass der Tempel der 10.000 Buddha einen Ausflug nicht wert ist – falls nicht: Er ist es nicht! 😉

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