Hometown Glory
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Moving Back Home goes Hometown Glory: Übers Zurückkommen nach Darmstadt

Im Oktober hatte ich mich entschieden: Nach zwei Jahren im Schwaben-Exil wollte ich zurück ins Rhein-Main-Gebiet. Weg von Kehrwoche und Brezn, zurück zu Äppler und Handkäs. Die Zeit in Stuttgart war gut für mich und eine wertvolle Erfahrung, aber meine Wurzeln sind stark und meine Heimatliebe noch stärker – wer so viel reist wie ich ist froh, wenn er Zuhause und Heimat vereinen kann. Obwohl auch meine Liebe für Mainz wohl nie versiegen wird ging es also zurück nach Hause, und zwar in der Extremvariante: Ich zog zurück in mein Elternhaus in Darmstadt.

Das war ein spannendes Experiment und ein geglücktes – kein Wunder, das mit den Wurzeln und den Flügeln hat in unserer Familie schon immer hervorragend geklappt. Trotzdem ist es nach sieben Jahren in den eigenen vier Wänden gewöhnungsbedürftig und manchmal, das gebe ich gerne zu, auch anstrengend, wenn sich plötzlich wieder jemand für jedes Verlassen des Hauses interessiert. Wenn sich die eigene Privatsphäre wieder auf ein 25 Quadratmeter-Zimmer beschränkt. Und ja, auch wenn man sich Küche und Esszimmer nicht mehr mit WG-Mitbewohnern teilt, sondern mit der eigenen Mutter. Ich würde es jederzeit wieder tun, aber ich war auch froh, als die Aussicht auf eine eigene Wohnung größer wurde.

Und da sitze ich jetzt, keine 1.000 Meter Luftlinie von meinem Gymnasium entfernt, und wundere mich selbst ein bisschen. Dass ausgerechnet ich noch vor meinem 30. wieder zurück nach Darmstadt kommen würde, das hätte neben all meinen Schulfreunden, Familienmitgliedern und Bekannten ich selbst wohl am allerwenigsten geglaubt. Aber wenig hat sich in den letzten Jahren so richtig angefühlt.

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Darmstadt, das ist Herzenssache. Darmstadt ist chronisch unterschätzt, Darmstadt ist – nicht nur im Fußball – ein Underdog, Darmstadt hat Entwicklungspotenzial und ist oft Liebe auf den zweiten Blick. Ich verstehe jeden der knapp 30.000 Studenten die hier studieren, der in seinen ersten Semestern immer wieder über die Wahl seines Studienortes jammert und lamentiert. Denn auf den ersten Blick ist Darmstadt wirklich: Hässlich. Das liegt nicht zuletzt daran, dass diese Stadt – bis zum Zweiten Weltkrieg übrigens hessische Landeshauptstadt – in ebenjenem bis auf ein einziges Gebäude komplett zerbombt wurde. Bis auf die Goldene Krone (nach wie vor ein legendärer Ort, aber dazu irgendwann später mehr) blieb kein Gebäude in der Darmstädter Innenstadt stehen, und der Wiederaufbau Anfang der 50er musste schnell gehen. Und so sieht man in Darmstadt erstmal nur Plattenbauten, Bausünden und gähnende Langeweile.

Bis man in Martinsviertel kommt, ins Johannesviertel oder nach Bessungen. Bis man das erste Mal nach einem heißen Unitag in den Woog gesprungen ist, die Leidenschaft für die Lilien mit eigenen Augen gesehen oder ein Wochenende im angrenzenden Odenwald verbracht hat. Bis man die ersten echten Heiner kennengelernt hat – denn als trinkfreudiges und geschwätziges Volk reichen wir jedem Zugezogenen erstmal ein Pfungscht oder ein Laternsche und babbeln wohl oder übel drauf los.

Darmstadt hat wunderschöne Ecken und in Darmstadt hat sich einiges getan, seit ich vor acht Jahren meine Sachen gepackt habe. Ich als Neu-Lapping mache mich jetzt also daran, meine Heimatstadt neu zu erkunden. Unter dem Titel Hometown Glory nehme ich euch mit – und freue mich über jeden (Alt- oder Neu-)Heiner der mir in den Kommentaren verrät, was ich dabei auf keinen Fall auslassen darf!

lisa_mattis_cafe

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