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Gregory Porter, Holler my Dear, Teddy Smith & The Foreigners und Gänsehaut beim JazzOpen in Stuttgart

20140716-133511.jpgIch erwähne ja hin und wieder, dass ich nicht wirklich Ahnung von Musik habe. Aber ich habe Ahnung von Gänsehaut. Und von Herzklopfen. Und von Tränen in meinen Augenwinkeln, weil etwas so gut ist. Das Wort Jazz allerdings löst in mir ehrlich gesagt erstmal ein bisschen Unbehagen aus: In meinem Kopf ist das Wort immer ganz langgezogen, es klingt eher so nach Jaaazz, so mit hochgezogenen Augenbrauen und schiefer Stimme, aber damit tue ich dieser Musik natürlich unfassbar viel Unrecht.

Sicher, es gibt diese Art von Jazz die mir die Zehennägel hochrollt. Aber es gibt auch diese Art von Jazz die ganz nah an Blues dran ist oder an Funk oder die alles vermischt. Es gibt Gregory Porter, und der hat am Dienstag auf dem Jazz Open in Stuttgart gespielt. Und meine Güte, diese Gänsehaut. Ich wusste, dass ich seine Musik mag, seit ich sie das erste Mal gehört habe vor zwei Jahren, aber ich hatte keine Ahnung was passiert wenn dieser Mann dann zwanzig Meter vor mir auf der Bühne steht, wenn er tanzt, aber eigentlich nur mit den Armen, wenn er warm lächelt und laut lacht und so viel Gefühl in seine Worte legt.

Gregory Porter

Gregory Porter 2

Gregory Porter 3

Ich tendiere ja gerne mal zu ein paar Rührungstränchen, und mir tut das auch immer etwas leid für die Menschen die neben mir sitzen und glauben, mich vielleicht trösten zu müssen, aber eigentlich ist das meist ein gutes Zeichen wenn es ganz kurz kullert. Einfach nur, weil mich etwas so berührt, und weil es manchmal so perfekte Momente gibt. Und dann diese Kulisse, und die Worte, die es so auf den Punkt treffen manchmal… Und entschuldigt bitte die katastrophale Fotoqualität, aber während einem solchen Konzert wird in erster Linie zugehört und zugeschaut, und da ist dann kein Platz für Spiegelreflex und Zoom.

Auch toll am Jazz Open übrigens (und wer hätte überhaupt gedacht, dass ich jemals zu einem Jazz Festival gehen würde?!): Jeder große Act wird von einem oder zwei kleineren Acts begleitet. Als Warm Up Band spielte am frühen Abend die Freiburger Kombo Teddy Smith & The Foreigners, die erst seit einem Jahr in dieser Besetzung spielt und mir ganz schön viel Spaß gemacht hat. Cheers zu euch!

Und dann sind da noch Holler my Dear passiert. Was war denn da auf einmal los? Die österreichische Wahlberlinerin Laura Winkler hat mit ihrer Band (die ihre eigene Musik selbst als herzhaft folkig-jazzigen Akustik-Pop beschreibt, als Motown-Tango und verkündet, dass es ein bisschen nach Zirkus riecht) erstmal für allgemeine Sprachlosigkeit bei den schwäbischen Schnattermäulern gesorgt. Und beim (vermeintlich?) konservativen Stuttgarter Publikum war ich mir zunächst nicht mal ganz sicher, ob das eine positive Stille war. Aber spätestens nach dem dritten Lied hatte sie mit ihrer unprätentiösen Art, mit ihrem Wirbelwind und ihrer unerwartet facettenreichen Stimme eigentlich alle überzeugt. Mich auf jeden Fall, und ich ärgere mich gerade maßlos darüber, keine CD mit nach Hause genommen zu haben.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=o7FN3crdWeY&w=640&h=360]

Man sollte sich von denen dringend noch mehr ansehen (weil Laura so bezaubernd ist) und anhören (weil die Musik wirklich ein bisschen nach Zirkus riecht und dementsprechend ziemlich glücklich macht). Das geht zum Beispiel hier und hier, oder am 14. September in der Stadtkirche Darmstadt, am 17. Oktober im Kunsthof Jena oder am 18. Oktober im Blue Note Dresden.

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