Life of a Flight Attendant
Kommentare 25

Life of a Flight Attendant: Das Flugbegleiter-ABC

Mein Briefing für HKG am Montag ist um 1830 UTC. Den PI kenne ich schon länger, den PII, FO, SFO und CPT noch gar nicht. Es ist mein erstes Layover dort, normalerweise bin ich kein China-Fan, aber diesmal war es mein Hauptrequest. Ich hoffe es wird ein angenehmer Umlauf, aber zum Glück folgen direkt danach meine Off-Tage.

So. Und wer hat jetzt wie viel verstanden? Als ich vor knapp 8 Jahren mit dem Fliegen anfing war eine der größten Herausforderungen neben dem Entziffern des Flugplans, der Suche nach bequemen und trotzdem hübschen Uniformschuhen und natürlich dem Meistern der Nervosität vor dem ersten Flug, der Umgang mit all den Abkürzungen und Fachbegriffen der Fliegerei. “Briefing ist um 0745 UTC” hieß es da oder “Fliegst du 737 oder 320?”. “Das fragst du am besten den PII” oder “Der Kollege ist PAD”… Von all den Three Letter Codes für die unterschiedlichen Flughäfen dieser Welt oder den internen Kurzbezeichnungen der verschiedenen Unternehmensabteilungen mal ganz abgesehen.

lifeofaflightattendant_10

Nach spätestens einem Jahr sind all die Shortcodes, Kürzel und Crewbezeichnungen bei jedem Flugbegleiter ins Blut übergegangen – und wir vergessen gerne mal, dass Nicht-Flieger maximal die Hälfte unserer Gespräche untereinander verstehen. Während wir nur mal eben die Flugzeugmuster austauschen, die wir fliegen, schaltet der “Fußgänger” neben uns vermutlich spätestens nach einer Minute ab, denn kryptische Gespräche wie “Nee, 340 fliege ich nicht mehr, ich bin jetzt auf dem 380 und der 747, aber was habe ich den 600-er geliebt… Wird der Bobby jetzt eigentlich wirklich abgeschafft?” sind (zugegeben) ziemlich langweilig, wenn man keine Ahnung hat wovon gesprochen wird. Auch, als ich Snapchat vor meinem Flug nach Singapore mit einer ziemlichen Selbstverständlichkeit “Ich fliege nämlich heute Deadhead” in die Kamera säuselte, wurde mir erst ein paar Minuten später klar, dass das vermutlich nur ein Bruchteil der Zuschauer verstehen würde. Daher heute:

Das Flugbegleiter-ABC!

A wie A-320, A-380, A-319, B-747, Jumbo und Bobby…

Alle Flugzeugtype tragen recht funktionelle Bezeichnungen, bei denen wir sie tatsächlich auch recht konsequent nennen. A steht hierbei für Airbus, B für Boeing. Der Airbus A380 ist derzeit das größte Passagierflugzeug und mein absoluter Liebling. Den Jumbo, also die Boeing 747, bin ich nie geflogen, stattdessen war ich auf der Kurzstrecke aber lange mit seinem kleinen Bruder, dem Bobby (B-737) unterwegs. Heute arbeite ich während meiner Kurzstreckentouren auf der A-320-Familie, wiederum Sammelbezeichnung für den A-319, A-320 und A-321… Verstanden?

B wie Briefing

1 Stunde und 45 Minuten vor dem Abflug trifft sich die gesamte Crew um sich kennenzulernen, den gemeinsamen Flug mit all seinen Besonderheiten zu besprechen und sicherzugehen, dass alle gut vorbereitet sind. Beim Briefing wird nicht nur besprochen wer wo arbeitet, sondern auch ob es zum Beispiel unbegleitete Kinder, Statuskunden oder Menschen, die einen Rollstuhl benutzen, unter den Passagieren gibt, ob Sonderessen bestellt wurden und was es am Zielort zu beachten gibt. Die meisten Crewmitglieder treffen sich hierbei übrigens zum allerersten Mal – bei rund 16.000 Flugbegleiterin kommt es eher selten vor, dass man häufiger zusammen fliegt, es sei denn man beabsichtigt das!

C wie Crewrest

Immer wieder werde ich ganz verschämt gefragt: Habt ihr eigentlich wirklich Betten an Bord? Ja, das haben wir! Mittlerweile haben wir auf jedem Langstreckenflieger eine Art “Schlafsaal” mit Stockbetten, in dem wir während unserer Pause (siehe W wie Wache / Pause) die Füße hochlegen und die Augen ausruhen können.

D wie Deadhead

Das Wort “Deadhead” steht für ein inaktiv gesetztes Crewmitglied, also jemanden, der zwar Teil der Crew ist, aufgrund von geringer Auslastung oder Kapazitätsgründen aber ein Leg (noch so ein Wort! Einen Flugabschnitt meine ich!) als Passagier fliegt. Das kann zum Beispiel auch vorkommen weil am Zielort ein Kollege krank geworden ist, und man ihn auf dem Rückflug ersetzen muss.

E wie Emergency Training

Ich werde nicht müde, es zu betonen: Der eigentliche Grund warum wir an Bord sind hat nichts mit Service, Lächeln und Tomatensaft zu tun – es ist eure Sicherheit. Der wichtigste Teil unserer Ausbildung ist das Emergency Training bei dem wir lernen, an Bord Brände zu löschen, eine Notlandung vorzubereiten und einen Flieger nach einem Absturz zu evakuieren. Für jeden Flugzeugtyp (siehe Punkt A) den wir fliegen, brauchen wir eine Lizenz, die wir jährlich erneuern müssen und die dazu führt, dass wir so eine Evakuierung auch durchziehen könnten, wenn ihr uns nachts um 4 aus dem Tiefschlaf reißt. Das heißt also, dass wir pro Flieger einmal im Jahr ein mehrstündiges Emergency Training mit Theorieteil und Training auf einem recht lebensnahen Simulator haben – zusammen mit einer jährlichen Erste Hilfe Schulung und einem zweitägigen Ressource Management-Training sind das bei Vollzeitfliegern (siehe Punkt V) mindestens 4 Tage Training im Jahr, und das ist auch der Grund, warum wir alles was Sicherheit an Bord angeht wahnsinnig ernst nehmen.

F wie First Officer

Der First Officer ist der Copilot, und damit ein ziemlich häufig ziemlich falsch verstandener Beruf. Denn immer wieder höre ich jemanden sagen: “Ach, dann ist das ja kein richtiger Pilot…” und Freunde, das macht die Herren und Damen in diesem Beruf – völlig zurecht – ganz schön sauer und ist die pure Unwissenheit. Ein Pilot ist ein Pilot. Das ist sein Beruf. Ein Pilot fliegt Flugzeuge. Das Wort “Copilot” ist, ebenso wie das Wort “Kapitän”, einfach nur eine Hierarchiebezeichnung. Bei uns fangen Piloten als Copiloten auf der Kurzstrecke an, wechseln nach ein paar Jahren als Copilot auf die Langstrecke und können dann mit genug Erfahrung irgendwann zum Kapitän auf der Kurzstrecke werden. Mit zumeist Ende 40 wechseln die Kapitäne dann noch einmal auf die Langstrecke. Der Kapitän ist auf einem Flug mein oberster Vorgesetzter und hat die höchste Entscheidungsgewalt, bei flachen Hierarchien werden die meisten Entscheidungen (außer im absoluten Notfall) aber immer nach dem 4-Augen-Prinzip getroffen. Mit dem fliegerischen Können hat diese Bezeichnung jedenfalls rein gar nichts zu tun! De facto fliegt bei uns meist ein Pilot den Hin- und der andere den Rückflug, der “inaktive” Pilot übernimmt jeweils die Funkkommunikation. Einzige Ausnahme: Besonders lange Flüge, bei denen drei statt wie gewöhnlich zwei Piloten im Cockpit sitzen. Einer der drei ist dann der “Senior First Officer” und löst den Kapitän in seiner hierarchischen Rolle ab, wenn dieser in Pause geht. Fliegen können se alle!

G wie Galley

Die Galley ist unsere Bordküche – hier bereiten wir euren Service vor, hier werden die Essen im Ofen erhitzt und hier befinden sich die Getränkewagen. Hier befinden wir uns außerdem in der Service-freien Zeit – und auch, wenn wir manchmal (zum Beispiel um unsere schlafenden Gäste vor dem hellen Licht in der Galley zu schützen) den Vorhang vorziehen, sind sie für euch keine Tabuzone! Selbstverständlich schätzen wir es sehr, wenn ihr uns für die 10 Minuten in denen wir halb über die Wastebox gebeugt essen ein bisschen Freiraum gebt. Und die Galley ist auch kein Aufenthaltsort für Gäste. Aber wenn ihr Durst, Hunger oder schlicht eine Frage habt, seid ihr hier jederzeit willkommen!

H wie Hotelwechsel

Vor ein paar Monaten war es mal wieder soweit: Hotelwechsel in San Francisco! Viele wissen es nicht, aber wir haben an allen Destinationen die wir anfliegen feste Hotels, in denen wir teils seit Jahren “wohnen”. Und wie ihr euch vorstellen könnt, werden diese Hotels mit der Zeit zu einem echten Home away from home, wir gewöhnen uns an sie, ihren Geruch und ihre Geräusche, kennen den Concierge mittlerweile mit Vornamen und wissen, wo wir bei Jetlag morgens um 4 den ersten Kaffee herbekommen. Wenn wir so ein Hotel wechseln, ist das also jedes Mal Grund für einen leisen Aufschrei unter dem fliegenden Personal. Neu ist nicht immer schlechter, aber es sind die Gewohnheiten und das kleine bisschen Alltag, das man uns nimmt, wenn man uns in ein neues Hotel steckt. Bis wir uns nach ein paar Layovern (siehe Punkt L) daran gewöhnt und den billigen Massagesalon um die Ecke entdeckt haben.

I wie In Flight / In Park

Es gibt so einige Ansagen, die jeder der öfter als einmal im Jahr fliegt kennt. Dazu gehören selbstverständlich die Sicherheitseinweisung (von mir bekommt jeder, der mich währenddessen ernsthaft angeschaut hat, ein Extralächeln und im Kopf einen Bonus vermerkt!) und die Bitte, vor Start und Landung die Rückenlehnen senkrecht zu stellen – dazu gehört aber auch die Ansage “Cabin Attendants, all doors in flight!”, die uns vor dem Start alle zielstrebig an die Tür hasten und einen Hebel umlegen lässt. Dieser Hebel, meine Damen und Herren, aktiviert die Notrutsche an dieser Tür und sorgt dafür, dass – sollte die Tür von nun an geöffnet werden – die Notrutsche herausfällt und aufbläst. Nach der Landung muss die Tür unbedingt wieder In Park gestellt werden, bevor die Tür geöffnet wird, das kann sonst fatale Folgen haben!

J wie Jumpseat

Der Jumpseat ist der Sitz, auf dem wir Flugbegleiter während Start und Landung sitzen – ihr wisst schon, der Klappsitz mit dem aufwändigen Anschnallgurt, meist in der Nähe eines Notausganges. Unbequemer als ein Passagiersitz sicherlich und unsere einzige Sitzgelegenheit während dem Flug, und das ist auch einer der Gründe warum wir es nicht akzeptieren, wenn sich während dem Flug ein Gast hier ungefragt hinsetzt oder – urks – seine Füße hier ablegt.

K wie Koffertetris

Diesen Begriff habe ich selbst kürzlich erst gelernt und musste herzlich grinsen, weil er so naheliegend ist: Koffertetris meint das komplizierte Verstauen von zu viel Handgepäck während des Boarding-Prozesses. Gerade in südlichen Ländern reist man gerne mit Handgepäck, mit viel Handgepäck, und das nach den ersten zehn Minuten noch in einem der Overhead-Bins zu verstauen ist häufig eine ziemliche Aufgabe: Wie bei Tetris eben muss man hier drehen und wenden und verschieben, bis irgendwo zwischen Wintermänteln und Duty Free-Tüten doch noch eine Lücke für den Rollkoffer entsteht. Übrigens: Auch wenn wir euch hierbei gerne helfen ist es entgegen der Annahme vieler nicht unser Job, das Handgepäck von rund 200 Menschen pro Flug für sie in die Overhead Bins zu heben. Mein Orthopäde dankt es euch – und eurer übrigens auch wenn ihr euer Handgepäck nur so schwer packt, dass ihr es problemlos selbst tragen könnt!

L wie Layover

Das sollte Helle Flecken-Lesern mittlerweile klar sein: Das Layover ist unser Aufenthalt an einer Destination und meist zwischen 12 (Kurzstrecke), 24 (zum Beispiel New York oder Delhi) und 72 Stunden lang. Lange ist es her, dass Flugbegleiter noch Wochenstopps in New York hatten – aber ganz selten kommen solche Touren immer noch vor! Das Layover können wir natürlich ganz frei verbringen, solange wir dafür sorgen dass wir fit und ausgeruht zum Rückflug erscheinen; die Hotels werden gestellt.

M wie Medical

Das Wort Medical hat bei uns zwei Bedeutungen: Zum einen die ärztliche Untersuchung auf – unter anderem – Seh- und Hörvermögen, die wir alle paar Jahre machen, zum anderen ein meditzinischer Notfall an Bord. Wie ihr oben lesen konntet genießen wir jährlich ein sehr gutes Erste Hilfe Training und können mit Hilfe eines Defibrillators an Bord jedes Flugzeugs Wiederbeleben, lernen, ein Kind zur Welt zu holen und einfache Wunden versorgen. Sobald ein Arzt an Bord ist und sich (bitte unbedingt!) als ein solcher zu erkennen gibt ist eigentlich alles super, denn wir haben auch ein umfangreiches Sortiment an Medikamenten, Kanülen & Co an Bord. Dennoch sind wir froh über jeden Flug, der ohne nennenswertes Medical vonstatten geht. Medicals kommen tatsächlich aber alle paar Flüge vor und bringen uns verhältnismäßig wenig aus der Ruhe.

N wie No-Shows

No-Shows sind Gäste die, obwohl sie zu einem Flug eingecheckt haben, nicht zum Abflug erscheinen. Gut für alle, die sich spontan noch einen Platz erhoffen, schlecht für alle, die es gerne pünktlich mögen: Hat ein No-Show Gepäck aufgegeben muss das aus Sicherheitsgründen unter allen Umständen erst aus dem Flieger geholt werden, bevor wir abfliegen dürfen.

O wie Off-Tage

Die Off-Tage sind unser Heiligtum. Wir sind ein sehr flexibles Volk und müssen das laut Berufsausschreibung auch sein – die vier Off-Tage, die uns pro Monat zustehen, sind die einzigen Tage die in Sachen Einsatzplanung unantastbar sind. Wir versuchen diese also über Mamas Geburtstag, die wichtige Uniklausur oder die Goldene Hochzeit unserer Großeltern zu legen – wie genau erkläre ich euch unter Punkt R.

P wie Purser

Der Purser ist der Chef der Kabine und mein direkter Vorgesetzter auf einem Flug. Ihm obliegen diverse Entscheidungen in der Kabine und sein direkter Vorgesetzter ist die Cockpit-Besatzung. In Sachen Karriere starten wir alle als Flugbegleiter, können uns dann als Purser bewerben und sind dann zunächst “PI”, Kurzstreckenpurser, der auf der Langstrecke dem “PII” unterstellt ist. Beides sind sehr interessante Führungspositionen, ihr Job ist es, eine sich vor dem Flug untereinander meist völlig unbekannte Crew zusammenzuhalten, zu führen und zu motivieren, dabei im Sinne des Unternehmens zu handeln und alle Gäste glücklich zu machen. Einfach ist anders.

Q wie…

Qualifikation?! Sorry, da ist mir wirklich nichts besseres zu eingefallen, und bevor ich mir was aus der Nase ziehe verspreche ich euch an dieser Stelle, nächsten Monat einen Post zum Thema Qualifikation und Ausbildung zum Flugbegleiter zu schreiben!

R wie Request

Sagte ich, die Off-Tage seien unser Heiligtum? Vergesst es, eigentlich ist es der Hauptrequest. Ist es das Requesten an sich. Es ist nämlich so: Wir haben mehr Einfluss auf unseren Flugplan, als die meisten denken. Über ein raffiniertes Computersystem dürfen wir pro Monat drei Flugwünsche (sowohl Ziel als auch Zeitraum) loswerden, können uns dabei auch oben genannte Off-Tage oder Flüge mit befreundeten Kollegen wünschen. Ob alles so klappt wie wir es uns requesten hängt von verschiedensten Faktoren ab, ich bin hier aber vom Glück geküsst und habe nach knapp 8 Jahren einen recht guten Status in Sachen Priorität und natürlich auch recht viel Erfahrung und kriege meistens die Flüge, die ich mir wünsche, dann wann ich sie mir wünsche.

S wie Standby

Auch das Wort Standby hat für uns zwei Bedeutungen, und beide sind eher negativ belegt. Die erste Definition hat was mit unserem Privatleben zu tun – entgegen aller Annahmen fliegen wir nämlich keineswegs umsonst, sondern müssen immer einen (wenn auch geringen) Anteil des Flugpreises zahlen, und wenn wir dabei nicht tief in die Tasche greifen wollen, dann fliegen wir Standby, kommen also nur mit, wenn ein Sitzplatz frei geblieben ist – oft Bangen bis zur letzten Sekunde! Die andere bezeichnet den Bereitschaftsdienst, den wir alle paar Wochen für eine knappe Woche leisten müssen. Hierbei sitzen wir auf mehr oder weniger gepackten Koffern und warten auf einen Anruf, nach dem wir innerhalb von 60 Minuten am Flughafen sein müssen. Da kann von einem Hüpfer nach Berlin bis zu einem Langstreckenflug nach Tokio alles dabei sein – ganz schön stressig!

T wie Three Letter Codes

Jeder Fluhafen dieser Welt hat einen Three Letter Code, ein Kürzel aus drei Buchstaben, das ihn bezeichnet. HKG steht für Hong Kong, JFK für den John F. Kennedy Flughafen in New York, so weit so naheliegend. Aber hättet ihr gewusst, für welche Flughäfen ARN, EZE oder LED stehen?*

U wie Umlauf

Ein Umlauf ist bei uns eine komplette Tour, in meinem Fall zum Beispiel vom Einsteigen in Frankfurt bis zum Feierabend in Frankfurt. Entweder also ein Langstreckenumlauf, zum Beispiel FRA – JFK – FRA, oder aber ein Kurzstreckenumlauf von einer Tages- bis hin zu einer Fünftagestour, mit allem zwischen 2 und 20 Flügen

V wie Vollzeit

Ja, der Beruf als Flugbegleiter ist ein Job, den man sein Leben lang als Hauptberuf ausüben kann. Dank grandiosen Teilzeitmodellen kann man im Fall meiner Airline aber auch diverse Teilzeitmodelle beantragen – ich zum Beispiel habe eine halbe Stelle und damit 2 – 3 Einsätze im Monat. Vollzeitflieger haben meinen vollen Respekt, weil sie meist nur wenige Tage am Stück zu Hause sind, ihr Körper ständig durch Zeit- und Klimazonenwechsel gebeutelt und Alltag für sie ein Fremdwort ist. Lernt ihr einen Flugbegleiter kennen ist die Frage, ob er Voll- oder Teilzeit fliegt, oft eine ziemlich entscheidende!

W wie Wache/Pause

Wie ich schon unter Punkt C erwähnt habe: Ja, wir haben – auf Langstreckenflügen – manchmal Pausen. Natürlich können wir aus Sicherheits- und Servicegründen aber nie alle gleichzeitig Pause machen. Deshalb gibt es ein ausgeklügeltes System das garantiert, dass in jedem Bereich des Flugzeugs immer mindestens ein Crewmitglied für euch da ist, während die anderen kurz abschalten dürfen. Während dieser Zeit könnt ihr trotzdem jederzeit nach Getränken fragen, don’t be shy!

 

X wie X-Ray

Ja, auch wir müssen durch die Sicherheitskontrollen, und zwar meist nicht weniger streng als ihr. Einziger Vorteil: Die Flüssigkeitsbeschränkungen gelten für uns nicht. Ein Glück!

Y wie Y/Cl

…Y/Cl. Aka Economy Class. Ihr nennt sie Holzklasse, wir würden das nie tun. Denn ein Economy Class Gast ist uns genauso wichtig wie ein First Class Gast und genauso viel wert – nur: Je teurer, desto weniger Gäste, desto mehr Zeit für den einzelnen Gast. Natürlich merkt man das, und natürlich wirkt es in der Economy Class deshalb manchmal wie Fließbandarbeit. Weniger herzlich gemeint ist unser Service trotzdem nicht.

Z wie Zeitzonenhopping

Hach, mein Lieblingsthema… selbstverständlich nicht. Zwar gewöhnt man sich nach einer Weile an das Thema Zeitverschiebung, verrechnet sich mit der Zeit immer seltener wenn es darum geht, nach Hause zu telefonieren oder von zu Hause aus Pläne fürs Layover zu schmieden – trotzdem bleibt es anstrengend, innerhalb von wenigen Tagen zwischen Shanghai, Frankfurt und New York zu wechseln. Mein einziger Tipp: In der lokalen Zeit leben. Nicht vor 21 Uhr abends schlafen gehen. Wenn doch: Mindestens zehn Wecker stellen.

Was interessiert euch am meisten in Sachen #LifeOfAFlightAttendant? Ich freue mich sehr über eure Fragen in den Kommentaren!

lifeofaflightattendant_21

 

* ARN ist übrigens der Flughafen von Stockholm, EZE ist Buenos Aires und LED Sankt Petersburg!

25 Kommentare

  1. Sabine sagt

    wow, der Artikel klingt nach viel Arbeit. Sehr informativ und ich hab wirklich etwas gelernt.
    Ich fliege in letzter Zeit beruflich ein wenig in Europa herum und hätte daher die Frage, welches Handgepäck für dich das Beste ist? Ich finde die Rimowakoffer richtig toll, aber der Preis hat mich einfach abgeschreckt. Kannst du eine gute Alternative empfehlen ? LG

    • Lisa sagt

      Liebe Sabine, erstmal vielen Dank für deinen Kommentar – tatsächlich hat der Artikel etwas länger gedauert, aber hat auch viel Spaß gemacht 🙂 Ich freue mich total, wenn er dir gefällt! Ich muss sagen dass ich gerade was Handgepäck angeht wirklich auf Qualität setzen würde. Man zieht die Dinger oft den ganzen Tag hinter sich her – da sind für mich 4 Rollen ein absolutes Muss (!), und diese Rollen müssen auch was drauf haben. Da ist Rimowa tatsächlich ganz vorne mit dabei. Ich war allerdings jahrelang auch mit meinen Titan-Koffern zufrieden, die haben ein ziemlich gutes Leistungsverhältnis!

  2. Dunja sagt

    Hallo Lisa,
    ich mag deine #LifeOfAFlightAttendant Posts total gern!
    Das ABC find ich super interessant 🙂
    Was mich auch interessieren würde. wären kleine Geschichten von Flügen. Was du erlebt hast, oder an was du dich von einem Flug besonders erinnerst. Natürlich darf da nicht in die Privatsphäre der Gäste oder Kollegen eingegriffen werden. Aber das wäre sicherlich sehr interessant 🙂 (hoffentlich konnte ich das so beschreiben, wie ich das meine 🙂 )

    • Lisa sagt

      Liebe Dunja, das freut mich sehr! Ich schau mal, was sich in die Richtung machen lässt – wie du schon ahnst ist das für mich ein bisschen dünnes Eis, aber vielleicht finde ich einen Weg ohne jemandem auf den Schlips zu treten 😉

  3. Ich finde solche Beiträge richtig interessant! Ich kenne niemanden aus der Branche und lese sonst auch nirgends was darüber.. Trotzdem fällt mir jetzt spontan auch keine Frage ein 🤔
    Und nein, ich hätte im Leben nicht erraten können für welche Flughäfen diese Abkürzungen stehen 😀

    LG Nelli

    • Lisa sagt

      Liebe Nelli, umso mehr freue ich mich, wenn dir meine Posts Spaß machen! Und ja, das wirkt manchmal wirklich an den Haaren herbeigezogen 😉

  4. Sophie sagt

    Toller Post! Bringt wirklich mal etwas Licht ins Dunkle.. Ich fange im Juli meine Schulung zur FB an und war deswegen natürlich ganz besonders interessiert an deinem Artikel 🙂
    Glg Sophie

    • Lisa sagt

      Liebe Sophie, oh wie schön!! Dann wird dich der nächste Post über den Bewerbungsprozess bestimmt nicht ganz so sehr interessieren wie viele andere, aber vielleicht kannst du mich “alten Hasen” ja sogar korrigieren und mir dann in den Kommentaren erzählen wie es bei dir ablief 🙂 Ich bin gespannt wie es dir in der Ausbildung und dann auf Strecke gefällt! Many happy landings schonmal!

  5. Wow, was für ein spannender Artikel! Die Infos haben mich schon lange interessiert! Ich fliege auch öfter mal Langstrecken und habe mich echt gefragt, wo die Crew ihre Pausen verbringen kann bzw. wie es mit den Schlafplätzen aussieht. Vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße aus Hong Kong,
    Kaja

    • Lisa sagt

      Liebe Kajak, das freut mich sehr! Und hätten wir das mal früher gewusst – ich bin bis heute Abend auch noch in Hong Kong! Vielen Dank für deinen Kommentar und vielleicht schaffen wir es ja beim nächsten Mal wenn ich hier bin auf einen Kaffee!

  6. Wow, Lisa, echt super geschrieben und vor allem sehr informativ.
    Vielleicht hilft mir Flugangsthäschen das etwas vor meinem nächsten Flug.
    Nur eine kleine Anmerkung hätte ich. Lies den Abschnitt “V wie Vollzeit” noch einmal kritisch. Da passt zwischen “und so” und “Fremdwort” irgend etwas nicht so recht zusammen. 🙂
    Grüße und immer einen guten Flug
    Detlef

    • Lisa sagt

      Vielen Dank Detlef für deinen Kommentar, das Kompliment (das mit der Flugangst!!) – und die Korrektur! Da hat sich wohl ein “für” statt einem “wie” eingeschlichen 😉 Ist korrigiert!

  7. Lena sagt

    Super Artikel, da steckt bestimmt viel Zeit und Mühe drin! War sehr interessant zu lesen 🙂

    • Lisa sagt

      Hey Lena, Recht hast du – daher freut es mich sehr, dass dir der Artikel gefällt und du ihn gerne gelesen hast 🙂 Liebst, Lisa

  8. Pingback: High Five der Woche: Stolze Freundin, Pferdemädchen, Auszeitnehmerin – Helle Flecken

  9. Stella J sagt

    Da ich selbst im November mit der Schulung anfange war es richtig interessant das alles zu lesen, vielen Dank!
    Ganz liebe Grüße,
    Stella

    • Lisa sagt

      Liebe Stella, das freut mich total! Wenn du noch Fragen hast, gerne her damit – ich kündige schon seit längerem ein Q&A an 😉 das ich in den kommenden Wochen endlich angehen will!

      • Stella sagt

        Hey 😊 also das dauert zwar noch etwas 😂🙈 aber hast du Tipps für die “Gestaltung” des Layover? Das ist zwar sicher je nach Ziel ziemlich verschieden, aber vll gibt es ja so allgemeines 😃
        LG Stella

  10. Pingback: Life of a Flight Attendant: Das erste Q&A – wie bin ich eigentlich zum Fliegen gekommen? – Helle Flecken

  11. Vielen Dank fär diesen enorm interessanten Einblick in den Alltag eines Flugbegleiters – ich interessiere mich evtl. selber dafür, nach der Schule in der Richtung was zu machen, weshalb ich den Artikel natürlich doppelt interessant finde.

    PS: Ich dachte immer, Jumpseat wäre “Schleudersitz” 😀

  12. Pingback: TRAVEL OUTFIT // FLIGHT ATTENDANT Q&A: Fliegst du privat eigentlich umsonst? – Helle Flecken

  13. Mega guter Beitrag!
    Ich nutze die freien Zeiten an Weihnachten gerade um mich weiter über Flugbegleiter zu informieren, Ende Januar geht meine Schulung bei der LH in FRA los. Vieles aus diesem Beitrag wusste ich zwar schon, aber dennoch suuuuuper interessant. EZE ist übrigens auch mein liebstes Beispiel für schwere 3 Letter Codes 😀
    Ich hab deinen Blog sofort lieben gelernt und werde jetzt mal weiter schmökern, danke für so viele tolle FB-Beiträge!

    Liebe Grüße
    Julia

    • Liebe Julia, wie schön, dass du schreibst! Toll, dass wir dich bald zu unseren Kollegen zählen können 🙂 Ich freue mich total, dass dir Helle Flecken so gut gefällt und noch mehr, dass dir meine FB-Beiträge helfen dich vorzubereiten und vorzufreuen. Schreib mir jederzeit, falls du noch Fragen hast – ein neues Q&A steht für diese Woche noch aus!

  14. Pingback: First Time in Thailand: Ein Bilderbuch vom Chatuchak Weekend Market und dem Taling Chan Floating Market in Bangkok

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.