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Hometown Glory: Das Woog Café Darmstadt – vom Vereinsheim zum Café mit Aussicht

Ich habe keine Ahnung, wie es passieren konnte – aber ich habe jahrelang überhaupt nicht realisiert wie genial es ist, einen Badesee mitten in der Stadt zu haben. Die Sommer meiner Kindheit habe ich im Eberstädter Freibad verbracht, in Teenagerjahren siegte in Sachen Coolness ganz klar das Hochschulstadion über den beschaulichen, zentral gelegenen Woog. All die Jahre, die ich in Mainz und Stuttgart verbrachte, diente er mir lediglich als Hilfestellung, um Darmstadt beim Anflug auf den Frankfurter Flughafen eindeutig zu identifizieren. Erst als ich vor eineinhalb Jahren zurück in meine Heimatstadt zog begann ich, den Woog angemessen zu schätzen. Als Badesee im Sommer, als Spazierrunde im Herbst und Winter – und als Aussicht aus einem meiner absoluten Lieblingscafés.

Der Woog – ein Badesee mitten in der Stadt

Der Woog ist knapp 60.000 Quadratmeter groß und wurde im 16. Jahrhundert ursprünglich als Löschteich angelegt. Erste Erwähnungen als Badesee gibt es aus dem Jahr 1820, 100 Jahre später entstand dort, wo heute das Familienbad liegt, ein Frauenbad – das Familienbad wurde originalgetreu nachgebaut und steht deshalb unter Denkmalschutz. Ich bevorzuge trotzdem die Inselseite, wo man auf grüner Wiese herumlungert und ohne Treppen und Beton in den See watet. Aktuell ist natürlich nicht viel mit Schwimmen, nicht nur wegen der Kälte, sondern auch, weil der Woog im Herbst 2016 zur Gewässersanierung trockengelegt wurde – umso spannender der Ausblick aus besagtem Café.

Das Woog Café Darmstadt – vom Vereinsheim zum hölzernen Eldorado mit Paradeblick

Inhaberin Kiki Hendricks hat hier schon mit 16 Jahren Doppelkopf mit ihren Freundinnen gespielt – damals war das Haus nicht viel mehr als eine alte Kaschemme, wie sie mir über einem Cappuccino erzählt. Nachdem sie zehn Jahre lang das Schwarz-Weiß Café im Johannesviertel (übrigens ein echter Klassiker, wie ich hier schon erzählt habe) geführt hatte, war es Anfang der Zweitausendzehner endlich Zeit für etwas Eigenes.

Schon seit Jahren hatte sie darüber nachgedacht, was sich aus der Hütte am See wohl machen ließe, erste Gespräche geführt und schließlich alle Genehmigungen bekommen – bis auf eine Wand blieb nichts stehen, das Gebäude wurde komplett neu gebaut und Kikis Vorstellungen eins zu eins umgesetzt. Am 1. Mai 2013 konnte sie ihr Café das erste Mal eröffnen und seitdem vergeht kaum ein Besuch im Woog, ohne, dass ich die ursympathische Frau mit den blonden Locken lächelnd hinter dem Tresen stehen oder ihre Gäste mit Frühstück, Kaffee und Kuchen versorgen sehe.

Im Woog Café steckt schnörkellose Liebe und eine Geradlinigkeit, die mir wahnsinnig gut gefällt. Hier hat sich niemand verkünstelt, und trotzdem strotzt das Café vor Charme. Was natürlich zu großen Teilen an der Aussicht liegt. Aber auch an der industriell angehauchten Einrichtung, an den wenigen, ausgewählten dekorativen Elementen aus der Bootsfahrerei, an der natürlichen Materialwahl aus Holz und Stein, den zurückhaltenden Farben und dem gänzlich unprätentiösen Stil, der sich durch all das hindurch zieht.

Erwähnenswert ist neben der Optik aber definitiv auch die überraschend umfangreiche Karte. Denn nicht nur das Frühstück und die Kuchenauswahl locken mich immer wieder ins Woogsviertel, auch der Mittagstisch und die Abendkarte sind abwechslungsreich und vor allem: gut! So gut, dass das Wort Café hier eigentlich zu wenig gesagt ist.

Die Location – wie komme ich zum Woog Café?

Zugegeben, auf den ersten Blick und für Nicht-Darmstädter ist die Lage etwas unpraktisch. Der Spaziergang von der Innenstadt zum Woog dauert 15 bis 20 Minuten – nur wer weiß, dass sich das wirklich lohnt, nimmt ihn gerne in Kauf, zumal die direkte Strecke nicht unbedingt schön ist. Mit dem L-Bus fahrt ihr vom Luisenplatz oder Schloss aus aber nur zwei, drei Minuten bis zur Haltestelle Woog, überquert einmal die Kreuzung und seit nach wenigen Minuten Fußweg schon da. Am besten eignet sich das Café am Woog im Winter aber für ein Frühstück an einem freien Tag vor- oder für einen Besuch nach ein paar Stunden im Jugendstilbad, um den Tag gemütlich ausklingen zu lassen. Von hier aus lauft ihr keine fünf Minuten! Und dass ein Abendessen nach einem langen Sommertag im und am See die Krönung ist, könnt ihr euch ja vorstellen.

Woog Café
Beckstraße 44
64287 Darmstadt
06151 4294543

Öffnungszeiten
Di – Fr 8 – 24 Uhr
Sa 9 – 24 Uhr
So 9 – 19 Uhr

1 Kommentare

  1. Steffi sagt

    Toller Artikel über das Eine meiner beiden Lienlingscafés in DA. (Das andere ist das ebenfalls erwähnte Schwarz-Weiß. 😊) Guten Geschmack hast du und alle Vorzüge des Woogs in jeder Jahreszeit hervorgehoben.

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