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Eine Woche in Buenos Aires: Es muss nicht immer die große Liebe sein

Buenos Aires hatte es nicht leicht mit mir. Und ich hatte es nicht leicht mit Buenos Aires. Auf der einen Seite eine emotional Invalide, weit entfernt von ihrem gewohnten Enthusiasmus für neue Orte und schöne Dinge. Auf der anderen Seite eine große, laute, unübersichtliche Stadt auf dem Weg in den Winter. Das geht nicht gut zusammen. Ich hatte mir Ablenkung, Daydrinking in der Sonne und wenige Gedanken versprochen, aber selbst diese vielen, lauten Stimmen aus den unzähligen Straßen und Gassen der Stadt waren nicht laut genug, um meinen Kopf zu übertönen. Im Gegenteil ließen sie die Stimmen in ihm noch lauter gegen den Lärm der Stadt, die selbst ich wandelnder Kompass völlig orientierungslos durchstolperte, anschreien. Der Funke wollte einfach nicht überspringen, von Buenos Aires zu mir.

Dies wird also kein Travel Post, wie ihr ihn von mir gewohnt seid. Aber ich will dieser Stadt kein Unrecht tun. Unter anderen Umständen, zu einer anderen Jahreszeit oder schlicht für einen anderen Reisenden mag Buenos Aires, wie Paul in The Kids Are Alright sagt, die schönste Stadt der Welt sein. Deshalb gibt es heute…

Mehr Fakten als Emotionen – über Buenos Aires

Buenos Aires ist riesengroß. Wirklich. Allein die Stadt selbst bedeckt 202 Quadratkilometer, auf die sich rund 3 Millionen Einwohner verteilen. Sie liegt entgegen allgemeiner Annahme (wie oft ich vor meiner Abreise zu hören bekam, dass ich es mir in der Wärme und am Strand gut gehen lassen solle – Eurozentrismus lässt grüßen!) nicht am Meer, sondern an der – durchaus sehr großen – Mündung des Río de la Plata, der erst einige Kilometer weiter in den Atlantik mündet. Der Río de la Plata ist braun und vermittelt selbst an dem kleinen künstlichen Strandabschnitt, den wir im Naturreservat Costanera Sur fanden, herzlich wenig Beach Feeling. Was sicher auch am Wetter lag, wie so vieles: Logischerweise ist auf der Südhalbkugel zu dieser Zeit Herbst, und in meiner knappen Woche in Argentinien gab es nur zwei wirkliche Sonnentage: Meinen An- und meinen Abreisetag.

Buenos Aires besteht aus einem unermüdlichen, dichten Straßennetz. Die meisten Straßen ziehen sich mit demselben Namen quer durch die komplette Stadt, wodurch astronomische Hausnummern die Regel sind und man eigentlich meinen sollte, dass man sich schnell und einfach zurechtfinden sollte. Aber die Größe und Weitläufigkeit hat zumindest mich schlichtweg überfordert. Schwer zu sagen, wo ein Viertel endet und das nächste beginnt. Zum Glück hatte ich einen geduldigen Begleiter und Gastgeber an meiner Seite, der schon mal ein halbes Jahr hier gelebt hatte und mich wie eine Blinde von A nach B führte. Sicher über die 16 Spuren breite Avenida 9 de Julio brachte. Übersetzte, wenn mein Schulspanisch von dem wunderschönen der Argentinier überfordert war. Aber first things first.

Ankunft in Buenos Aires: Vom Flughafen in die Stadt

Der Flughafen von Buenos Aires ist überraschend übersichtlich. Wenn man einmal die Einreiseformalitäten hinter sich und sein Gepäck gefunden hat, geht es auf direktem Weg in die Stadt. Dafür bietet sich vor allem bei geringerem Budget der Busshuttle von Tienda Léon an – für etwa 12€ kommt man vom Flughafen in gut 45 Minuten zum Terminal Madero unweit des Hauptbahnhofes. Von dort kann man sich unkompliziert mit der Ubahn weiterbewegen, dazu weiter unten mehr. Das Busticket kann man direkt am Flughafen oder vorher online buchen.

Wer nicht ganz so aufs Geld schauen mag oder muss, oder schlichtweg zu viel Gepäck dabei hat um sich nach 14 Stunden Flug noch in öffentliche Verkehrsmittel zu begeben, kann stattdessen aber auch auf ein Taxi oder (meine Wahl) ein UBER setzen. UBER ist in der Stadt mittlerweile recht präsent, und für die Fahrt aus der Stadt zum Flughafen zahlte ich an meinem Abreisetag nur etwas mehr als 20€.

Fortbewegung in Buenos Aires: Taxi, öffentliche Verkehrsmittel & Co

Spätestens wenn es um öffentliche Verkehrsmittel geht, kommen meist die ersten Fragen zum Thema Sicherheit auf. Grundsätzlich ist Buenos Aires wahrscheinlich die sicherste Stadt Südamerikas, ich habe mich in keiner Sekunde unsicher gefühlt, und ich denke wer gut auf seine sieben Sachen aufpasst und sich an die gängigen Regeln (nicht alleine in dunkle Gassen, abends auf belebte Straßen setzen etc.) hält, läuft nicht viel mehr Gefahr als in anderen Großstädten auch. So ging es mir auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Vor allem die Ubahn, die in Buenos Aires Subte heißt, ist recht einfach zu benutzen. Für etwa 2,50€ kauft man eine SUBE Card, die man mit einem beliebig hohen Betrag aufladen kann, und durchquert damit den Eingang zum Gleis. Zugegeben: Das Ubahn-Netz ist nicht unbedingt top durchdacht und macht vor allem auf dem Weg ins Zentrum oder wieder heraus Sinn, weniger, wenn man von einem Viertel ins andere kommen will. Aber sie ist sauber, schnell und zuverlässig.

Etwas komplizierter wird es mit dem Bus: Das Busnetz ist für jemanden, der nicht schon seit Jahren in Buenos Aires lebt, absolut unübersichtlich. Auch hier kann man mit der SUBE Card zahlen, und am besten fragt man sich ein bisschen durch. Und hat Google Maps im Blick, denn das mit den Haltestellen ist hier so eine Sache – manche werden einfach ausgelassen, andere hinzugedichtet, und angesagt wird keine davon. Man muss also immer ein bisschen nach Gefühl fahren und aussteigen, wo es sich richtig anfühlt oder aussieht. Alleine hätte ich dieses Abenteuer aber wahrscheinlich umgangen, denn: Wer es sich leisten kann, fährt in Buenos Aires Taxi. Oder eben UBER. Und das ist preislich beides absolut machbar, wenn man nicht mit sehr knappem Budget reist.

Where to stay in Buenos Aires: Die schönsten Viertel zum Wohnen

Touristen werden meist die schönen, hippen Viertel Palermo und das teure Recoleta empfohlen. Beide sind wirklich hübsch, sauber und geben ein sicheres Gefühl. Vor allem in Palermo reihen sich hippe Cafés, Burgerläden und Boutiquen aneinander und es gibt neben hübschen Hotels auch tolle AirBnBs. Sich auf einer Buenos Aires Reise hier niederzulassen, ist sicher keine schlechte Idee. Saskia und Johann empfehlen in ihrem Buenos Aires Guide vor allem die Gegend Las Cañitas in Palermo.

Absolut nicht zu empfehlen, so sinnvoll es auf den ersten Blick scheint, ist eine Unterkunft im Microcentro. Das Stadtzentrum ist tagsüber zwar absolut belebt, da hier die meisten Büros, Ministerien & Co liegen, und natürlich kommt man von hier am schnellsten überallhin. Doch am Abend ist es hier vollkommen ausgestorben, fast schon gruselig leer – und besonders hübsch ist es auch nicht. Auch das historische Zentrum und beliebter Touri-Spot La Boca ist definitiv nicht zu empfehlen: Bis auf die wenigen Gassen mit den bunten Häusern gibt es hier herzlich wenig, und die Straßen rundherum sind alles andere als sicher.

Da es trotzdem praktisch ist, nicht zu weit weg vom Zentrum zu wohnen, kann ich San Telmo absolut empfehlen. Das Viertel hat sich schnell zu meinem Lieblingsviertel gemausert, und es grenzt direkt an die Innenstadt an. Zweistöckige Gebäude, eine entspannte und authentische Stimmung und unzählige schöne Cafés – sowie natürlich am Sonntag die Feria – machen San Telmo für einen Aufenthalt in Buenos Aires zu einem guten Wohnort auf Zeit.

Wenn du das erste Mal mit AirBnB verreist, kannst du mit diesem Link 35€ sparen! (Hinweis: Ich werde dafür dann mit 20€ belohnt.)

What to do in Buenos Aires: Sehenswürdigkeiten, Museen & Co

  • Im Zentrum: Die Plaza de Mayo mit der Catedral Metropolitana und der Casa Rosada, dem Sitz des Staatspräsidenten, von der die 1,6 km lange Avenida de Mayo zur Plaza del Congreso (Nationalkongress) führt. Auch das Teatro Colón ist sehenswert – und natürlich das Wahrzeichen der Stadt, der 67 Meter hohe Obelisk. Wer mag schlendert auch durch das moderne Hafengebiet Puerto Madero, das mich sehr an die Hamburger Hafencity erinnert hat.
  • Recoleta: Im Norden des Stadtzentrums beginnt das reiche Viertel Recoleta, dessen Villen und Botschaften ganz schön beeindruckend sind. Touristisches Highlight des hübschen Viertels ist aber der berühmte Cementerio de la Recoleta, der Friedhof, auf dem unter anderem Evita begraben liegt, und der vor allem in der Abendsonne wunderschön aussieht.

  • Palermo: Palermo hat sich zum absoluten Traveler’s Darling entwickelt. Hier gibt es viele stylishe, hippe Cafés und nette Läden, man kann hier stundenlang umher flanieren ohne sich zu langweilen. Hier befindet sich auch das armenische Viertel – und zwischen Palermo und Recoleta liegt in einer großen Parkanlage auch der Jardín Japonés.
  • San Telmo mit seiner Feria: Nach San Telmo sollte man unbedingt an einem Sonntag kommen. Jede Woche findet hier ein schöner Straßenmarkt statt, der immer gut besucht ist (natürlich auch von Taschendieben, also gut aufpassen!) – besonders gut hat mir auch die Markthalle im Zentrum des Marktes gefallen. Wer irgendwann nichts mehr sehen und schon gar nichts kaufen möchte, setzt sich mit einem frisch gepressten Orangensaft und einer Empanada auf die Plaza Dorrego und beobachtet die Tangotänzer, die für die abendliche Milonga üben.
  • Zum Abschalten: Hinter dem Puerto Madero versteckt sich eine kleine Oase der Ruhe in einer lauten Stadt: Das Naturreservat Costanera Sur, in dem man herrlich zur Ruhe kommen und ein paar Stündchen spazieren gehen kann. Wie oben erwähnt gibt es hier auch einen Strandabschnitt, Baden ist im braunen Flusswasser aber keine gute Idee. Das Naturreservat entstand auf dem Schutt der Stadt und ist mittlerweile Heimat für zahlreiche Vogelarten, Schildkröten und Flamingos. Zwar trennt das Reservat nur ein kleiner See vom Stadtzentrum – trotzdem ist es hier unglaublich ruhig.
  • Das mit dem Tango: Glaubt man den gängigen Reiseführern, so geht ohne Tango in Buenos Aires gar nichts. Glaubt man meinen Mitbewohnern auf Zeit, dann „ist Argentinien nicht Tango, so wie auch Steaks nicht Argentinien sind.“ Argentinien sind die Menschen auf der Straße. Und die tanzen manchmal Tango. Zum Beispiel Sonntagabends auf der Plaza Dorrego – und ich würde meinen, ein Besuch bei einer solchen Milonga empfiehlt sich wesentlich mehr als ein überteuertes Touristenevent mit Bühne und Viergängemenü, wie man es vielerorts buchen kann. Wer trotzdem einmal mitten im Geschehen stecken will, dem sei zum Beispiel der Club La Catedral nahe der Sube-Stadion Medrano empfohlen. Mittanzen ist Voraussetzung!
  • Museen und Kunst: Es gibt unzählige Museen in Buenos Aires und viele gute Kunstausstellungen. Aus eigener Erfahrung ans Herz legen kann ich euch das MALBA, das Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires. Mehr als 200 lateinamerikanische Arbeiten werden hier gezeigt, darunter auch Werke von Frida Kahlo, außerdem gibt es auch spannende temporäre Ausstellung, wie derzeit die Ausstellung des kanadischen Künstlerkollektivs General Idea. Auch das MACBA sowie das Museo Nacional de Bellas Artes und das Museo Nacional de Arte Decorativo sind berühmt-berüchtigt. Mir hat auch das Museo de la Inmigración, dass sich mit der Zuwanderung in Argentinien beschäftigt, gut gefallen, auch wenn hier sämtliche Informationstexte nur auf Spanisch vorliegen. Das MUNTREF beherbergt gleichzeitig auch eine Ausstellung zeitgenössischer argentinischer Kunst, die sehr sehenswert ist.

Buenos Aires wasn’t for me – but maybe it is for you!

Buenos Aires hat mich nicht umgehauen. Oder, um es mit den Worten meiner Freundin Carolin zu sagen: „So richtig ans Herz ging sie mir einfach nicht.“ Aber das kann euch ganz anders gehen, also lasst mich von mir nicht davon abhalten sie für euch ganz eigen zu entdecken – und erzählt mir dann in den Kommentaren davon!

Und spätestens, als ich an meinem letzten Tag auf dem Mirador auf der Galeria Güemes stand und meinen Blick über die Dächer dieser nie enden wollenden Stadt schweifen ließ, hatte ich meinen Frieden mit ihr geschlossen.

9 Kommentare

  1. Ui, spannend, Lisa! Danke für deine ehrlichen Worte, mit den Städten ist es halt immer so ein Ding… die Fotos zeigen aber eine richtig tolle Stadt, ich bin mal gespannt, mich selbst davon zu überzeugen.

    Kuss,
    Ani

    • Lisa sagt

      Oh ja, ich bin auch sehr gespannt drauf wie sie dir gefallen wird! Es ist ja immer eine wahnsinnig subjektive, stimmungsabhängige Angelegenheit mit dem Reisen und den Städten. Ich hoffe es ist genug rausgekommen, dass ich kein Buenos Aires-Bashing betreiben will 😉
      Ich habe dein Buch übrigens mehr oder weniger am Stück durchgelesen. Große Liebe dafür!

      • Ich hab erst jetzt deine Antwort gesehen, sorry. Nein, gar nicht, ich finde es total spannend, wenn jemand darüber schreibt, warum eine Stadt für ihn nichts war. Genau darin liegt ja dann auch die Chance für einen selbst, dass man sie aus genannten Gründen ebenso nicht mehr auf dem Schirm hat oder gerade trotzdem! 😉

        Danke für dein liebes Feedback zum Buch, das freut mich!

  2. Das ging mir mit Athen in der vergangenen Woche ganz genauso. Irgendwie war es schön, aber irgendwie dachte ich die meiste Zeit: was mache ich hier eigentlich?
    Manchmal besucht man Städte, die einem einfach nicht zusagen, nicht überzeugen. Und dann ist das einfach so, auch wenn Andere vielleicht das Gegenteil behaupten.
    Ich finde es schön, dass du ehrlich darüber so berichtest.

    • Lisa sagt

      Liebe Sarah, danke für deinen Kommentar – du hast recht, manchmal passt es einfach nicht. Das kann am Zeitpunkt liegen oder an der Konstellation, ist dann aber eben so. Man muss nicht alles toll finden 😉 Und ich finde es wichtig, vor allem auf einem Reiseblog der immer wieder von ultimativ schönen Orten berichtet, das dann auch mal zu sagen. Wirst du trotzdem über Athen schreiben?

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  5. Interessant, meine Lieblingsstadt mal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Ich habe dazu gar nicht viel mitzuteilen. Deine Sichtweise kann ich gut stehenlassen und finde sie, gerade weil ich diese Stadt so sehr liebe, ganz einfach bereichernd, auch mal andere Meinungen zu hören. Dank des Schachbrettmusters eignet sich Buenos Aires für Orientierungslose wie mich ausgezeichnet. Die Stadt ist übersichtlich und nicht annähernd so ein Menschen verschluckendes Ungeheuer wie Berlin. Ja, das Busnetz ist eine Sache für sich. Man muss sich trauen und auch mal mit einem Verfahrer leben können, dafür sieht man dann mehr von der Stadt und weiß es fürs nächste Mal besser. Bei Terminen verzichte ich grundsätzlich auf den Bus, nehme die Subte, laufe lieber oder steig ins Taxi. Ich bin nach wie vor verliebt in mi Buenos Aires querido.
    Die Höflichkeit und Aufmerksamkeit der Einwohner schätze ich besonders, auch wenn die echten Porteños nahezu unnahbar sind. Dafür gibt es viele andere Menschen vom interior des Landes oder aus anderen (südamerikanischen) Ländern dort, die offen sind. Die Stadt ist laut, die meisten Menschen aber entspannt. Ich empfinde dort eine innere Ruhe trotz des vielen Lärms.

    • Liebe Mela, vielen vielen Dank für deinen Kommentar! Ich finde es toll, dass du dir die Zeit dafür genommen hast und noch toller, unter meinem wenig enthusiastischen Beitrag eine kleine Liebeserklärung an Buenos Aires zu lesen. Und kann so gut nachvollziehen, was du mit dem letzten Satz meinst – so geht es mir häufig, zum Beispiel in Indien, selbst. Wieder einmal ein Zeichen dafür, dass die Stadt und ich schlichtweg ein ganz schlechtes Timing hatten. Vielleicht gibt es irgendwann mal eine zweite Chance. Und vielleicht ist es dann Liebe auf den zweiten Blick.

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