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Life of a Flight Attendant: 10 Dinge, für die euch eure Flugbegleiterin lieben wird

Das mit dem Fliegen ist so eine Sache. Für mich ist es nach acht Jahren im Job mittlerweile – sowohl als Gast, als auch in Uniform – so selbstverständlich wie für andere Leute Busfahren. Ähnlich geht es diversen Vielfliegern, Reisebloggern oder auch Berufspendlern da draußen. Aber über all die Alltäglichkeit vergisst man gerne, dass es auf jedem Flug auch mindestens eine Handvoll Menschen gibt, die bisher noch nie oder höchst selten geflogen sind. Für die die Aufregung vor einem Flug immer noch so groß ist wie bei anderen vor einem Fallschirmsprung. Die beim Boarding suchend durch die Gänge laufen, weil sie nicht auswendig wissen wo welche Sitzreihe liegt; die nicht wissen wie der Service normalerweise abläuft und dass das Getränk selten aus dem selben Wagen wie das Essen kommt – oder dass das Gepäckfach über ihrem Sitz nicht automatisch ihr Gepäckfach ist.

Zugegeben: Das kann für alle Beteiligten manchmal etwas anstrengend sein. Aber wenn man einmal kurz innehält weiß man wieder, dass umständliches Verhalten an Bord meist nichts mit mangelnder Intelligenz oder Ignoranz zu tun hat, sondern in den allermeisten Fällen einfach nur mit Unsicherheit. Ich freue mich daher immer, wenn mich jemand, der nicht so häufig fliegt, einfach fragt wie die Dinge so ablaufen. Und merke auch bei Vielfliegern immer wieder, dass ihnen manche Dinge einfach nicht bewusst sind. Seltenst ist es schließlich Bösartigkeit, wenn mich jemand mit seinem Verhalten innerlich auf die Palme bringt. Dabei gibt es ein paar Verhaltensweisen, mit denen man uns Flugbegleitern und auch sich selbst das Leben den Flug so viel einfacher machen kann! Deshalb gibt es heute von mir:

10 Dinge, für die euch eure Flugbegleiterin lieben wird

  • Bitte bringt nur so viel Handgepäck mit an Bord wie ihr selbst tragen könnt, und haltet euch dabei auch an die Mengenangaben. Es gehört nicht zu unserem Aufgabenbereich, euer Handgepäck für euch zu verstauen – und alles, was in der Kabine keinen Platz findet, muss wohl oder übel in den Flugzeugbauch wandern.
  • Überlegt euch schon bevor wir in eurer Reihe stehen, was ihr trinken wollt. Wenn die Gäste in der ersten Reihe direkt nach Servicebeginn kurz nachdenken müssen, ist das ja noch verständlich – alle anderen haben uns über einen mehr oder weniger langen Zeitraum kommen sehen. Und ganz ehrlich: Eigentlich weiß man doch auch,  ob man lieber einen Saft oder ein Bier trinken möchte, oder?
  • Wenn ihr Kaffee oder Tee bestellt, verratet uns doch bitte (!) direkt beim Bestellen, ob ihr Milch, Zucker oder Süßstoff dazu möchtet. Wir können nicht ahnen, wie ihr euren Kaffee am liebsten trinkt, und „ganz normal“ ist keine sinnvolle Definition! Selbiges gilt auch für Salz und Pfeffer zum Tomatensaft und stilles oder sprudelndes Mineralwasser (und NEIN, Mineralwasser ist nicht gleich Sprudelwasser!).
  • Nehmt eure Kopfhörer ab, wenn ihr mit uns redet – und reißt den Blick vom Bildschirm los. Nicht nur, dass ihr mit Kopfhörern auf den Ohren in der Regel unangemessen laut sprecht und ziemlich sicher euren gerade friedlich eingenickten Nachbarn aus dem Schlaf reißt… es ist auch einfach unhöflich.
  • Hört zu, wenn wir eurem Nachbarn erklären, was es heute zu essen gibt. Die Auswahl wird für euch keine andere sein – aber wenn wir uns schon die Mühe geben, dem Klischee zu widersprechen und nicht einfach „Chicken or Beef“ zu sagen, wäre es nett wenn wir die Beilagen der Gerichte nicht sechs Mal pro Sitzreihe sezieren müssen.
  • Bedient euch niemals (!) selbst, vor allem nicht vom Wagen. Das ist ganz klar unser Tanzbereich – nicht zuletzt, weil es mit so vielen Menschen auf so engem Raum wichtig ist zu wissen, wer wovon wie viel getrunken hat. Das ist auch der Grund, warum der Konsum mitgebrachter alkoholischer Getränke an Bord strengstens untersagt ist. Bitte haltet euch daran.
  • Behandelt einander wie (erwachsene) Menschen. Muss wirklich erst jemand Uniformiertes anrücken bevor ihr den Gast vor euch fragen könnt, ob er seine Rückenlehne weniger weit nach hinten lehnen kann? Wir tun das natürlich gerne, aber erfahrungsgemäß ist die Stimmung an Bord wesentlich besser, wenn ihr untereinander verständnis- und rücksichtsvoll voll miteinander umgeht.
  • Bestellt euch, wann immer nötig und möglich, ein Special Meal – eine vegetarische Auswahl ist immer noch nicht auf jedem Flug selbstverständlich, geschweige denn die Möglichkeit, detailliert und zufriedenstellend auf diverse Unverträglichkeiten einzugehen! Das Bestellen von vielfältigen Sonderessen geht bei fast allen Airlines, bei Lufthansa zum Beispiel hier, bis 24 Stunden vor Abflug.
  • Wenn ihr ein Upgrade in eine höhere Klasse als die ursprünglich gebuchte kaufen wollt, dann tut das am Gate. Nur in ganz wenigen Fällen ist uns das an Bord möglich – das hat nichts damit zu tun, dass wir es nicht wollen! Fest steht aber: Sich ein Upgrade bei uns zu erschleichen oder gar sich einfach selbst umzusetzen, geht gar nicht. Einen Blick in die anderen Klassen könnt ihr spätestens nach Ende des Fluges sehr gerne werfen, aber bitte niemals heimlich!.
  • Fragt nach einem Langstreckenflug, wenn ihr selbst vom Herumsitzen schon völlig verknautscht seit, bitte nie, ich wiederhole, NIE! ob wir jetzt direkt wieder zurückfliegen. Das ist ein Schlag ins Gesicht – wir sind keine Maschinen!

Noch mehr unterhaltsame Tipps zum Verhalten an Bord gibt es übrigens auch hier….

4 Kommentare

  1. Marie sagt

    Also Punkt 1 ist so eine Sache….ich bin zu klein, um an die Gepäckfächer oben zu kommen und wenn ich alleine fliege, muss ich entweder erst die Schuhe ausziehen, um auf einen Sitz zu steigen (was ich aber trotzdem irgendwie unangenehm finde), um das Gepäck selbst zu verstauen oder einen netten anderen Passagier fragen, ob er mir helfen kann…dasselbe dann beim aussteigen. Bisher habe ich es immer ohne Stewardess geschafft, aber ich bin auch noch nicht so oft alleine geflogen…also falls ich dich in Zukunft mal darum bitten sollte, hoffe ich, dass du es trotzdem gerne tust 😉

    • Lisa sagt

      Das kann ich absolut verstehen, liebe Marie. Ich bin ja auch nicht die Größte 😉 und mit einer netten Frage kommt man natürlich oft weiter. Gerade zum Beispiel bei alleinreisenden Müttern oder älteren Damen machen die meisten von uns auch gerne eine Ausnahme. Wenn das aber mal nicht der Fall sein sollte, zum Verständnis nur folgender Hinweis: Das Gepäck von Passagieren zu tragen / zu heben zählt nicht zu unseren Aufgaben als Flugbegleiter, was bedeutet, dass eine darauf zurückzuführende Verletzung (Hexenschuss, Bandscheibenvorfall & Co) auch nicht als Arbeitsunfall versichert ist. Natürlich bekommt man das selten davon, ein einziges Mal den Koffer eines Gastes ins Bin zu heben – aber du kannst dir vorstellen, dass es auf jedem Flug mindestens zwei Gäste gibt die gerne hätten, dass man das für sie tut. Da muss jeder auf sich selbst aufpassen. Bei leichtem Gepäck helfe ich aber natürlich gerne, solang keine Anspruchshaltung dahinter steht.
      Und übrigens: Solange du nicht in einer Notausgangsreihe sitzt, darfst du dein Gepäck natürlich immer auch gerne im Fußraum unter deinem Vordersitz verstauen 🙂

  2. Gesa sagt

    Haha köstlich! Dein Unterton gibt einen schönen Einblick darin, wie herrlich unbedarft einige Passagiere doch sind. Mir ist davon glücklicherweise alles geläufig, aber trotzdem war es nochmal ein guter Reminder auch für mich 😉

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